Dienstag, 20. März 2018

Generalintendant Spuhler hat zukünftig vier neue Frauen unter seiner Führung

Das Badische Staatstheater hat zu viele weibliche Zuschauer, laut der Zuschauerumfrage (mehr hier) sind über 60% Frauen, weniger als 40% Männer. Für Intendant Spuhler scheint es eine drängende Frage, was man gegen ein diskriminierendes Programm machen kann. Seine Antwort für mehr Geschlechtergerechtigkeit scheint zu lauten: Theater muß für Männer wieder sexy, attraktiv und prickelnd werden. Mehr junge Frauen in Führungspositionen könnten wirken. Da der Intendant trotz vieler Probleme nicht frühzeitig gehen will, um dem ersten weiblichen Generalintendanten Platz zu machen (schade, es wäre höchste Zeit!), werden nun vorerst alle Direktorenposten entsprechend neu besetzt. Anna Bergmann wird bekanntermaßen neuer Schauspieldirektor. Neuer Casting-Direktor der Oper wird Nicole Braunger. Birgit Keil zieht sich 2019 von ihrem Posten zurück, ihre Nachfolge wird ab der Spielzeit 2019/20 die renommierte Bridget Breiner antreten. Was weiß man über die neuen Namen?

Das Problem, einen adäquaten neuen Interimsoperndirektor zu finden, ist schon seit letzten Herbst bekannt (mehr hier), damals schwirrten schon weibliche Namen im Gerüchte-Äther umher. Die Oper leitet ab der kommenden Spielzeit Nicole Braunger (mehr zu ihr hier). Betrachtet man die minimal über sie verfügbaren Informationen, bleibt man ratlos. In einer Führungsposition war sie bisher allem Anschein noch nicht tätig, die Aufgabe in Karlsruhe scheint Neuland zu sein. Anscheinend war sie kurz selber als Sängerin aktiv,  von 2006 bis 2010 war sie als Sopran in Schwerin engagiert. Danach scheint sie in einer Künstleragentur gearbeitet zu haben. Braunger wird in Karlsruhe wahrscheinlich die wenigsten Entscheidungsmöglichkeiten haben, ihre Rolle könnte sich auf die Position des Casting-Direktors beschränken, der attraktive Stimmen und namhafte Stars nach Karlsruhe locken soll. Die Position als Leiter der Händel-Festspiele behält deshalb vorerst Michael Fichtenholz.
Uta-Christine Deppermann (mehr zu ihr hier) wird nicht Nachfolger von Michael Fichtenholz, sondern neuer künstlerischer Betriebsdirektor und Chefdisponent. Sie ist laut Badischem Staatstheater "eine der führenden deutschen Betriebsdirektorinnen". Wow! Sie hat die künstlerischen Abläufe an den Landesbühnen Sachsen, den Wuppertaler Bühnen, am Staatstheater in  Braunschweig und am Theater Magdeburg geleitet. Toll, daß sie nach Karlsruhe geht und nicht nach München, Frankfurt oder Berlin.
Man kann den beiden viel Glück dabei wünschen, die Karlsruher Oper wieder attraktiver zu machen.

Birgit Keil zieht sich 2019 nach 16 Jahren an der Spitze des Karlsruher Balletts zurück. Eine Ära geht zu Ende und scheint doch auch weiter geführt zu werden. Keils Nachfolge als Ballettdirektor wird ab 2019/20 Bridget Breiner antreten. Die in den USA geborene Breiner kam 1991 im Alter von 17 nach München, tanzte dort an der Bayrischen Staatsoper, wechselte nach Stuttgart, wo sie erste Solistin wurde und choreographierte, und abschließend nach Dresden. Sie leitet aktuell das Ballett in Gelsenkirchen, choreographiert selber -  eine sehr gute und vielversprechende Wahl. Ihre Homepage gibt Auskunft über sie: http://www.bridgetbreiner.com/ oder hier auf den Seiten des Badischen Staatstheaters

Frischer Wind also? Der Intendant ist die Ursache für's Miefige, lüften ist gut gegen das Symptom, doch es gilt die Ursache anzugehen. Dazu mehr in den nächsten Tagen.

Kommentare:

  1. @P.B.: Ja, Sie haben die Ironie zu 100% richtig erkannt. Deshalb bitte: Psssst! Das ist nur für die Zielgruppe.

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  2. Bei der ganzen Umstrukturierung kommt mir unweigerlich ein englischer Spruch in den Sinn: "rearranging the deckchairs on the Titantic". Die "Ratten" haben das Schiff längst verlassen und der Kapitän muss auf der Brücke das Unvermeidliche abwarten. Ahoi. (F.Kaspar)

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    1. Na ja, der Kapitän pflegt ein enges Verhältnis zu den Reedern, das Unvermeidliche ist für ihn -das hört man zumindest laut unter der Hand- auch zukünftig noch viele Jahre mit der hochseetauglichen MS Karlsruhe in flachen Wassern zu kreuzen, wenn man ihn denn läßt. Wie heißt es so schön: Ist der Ruf erst ramponiert/ruiniert, lebt sich's ziemlich ungeniert.

      Bridget Breiner ist eine vielversprechende Wahl, Anna Bergmann ist eine mutige Wahl, Nicole Braunger ein großes Fragezeichen. Was soll sie überhaupt in der Oper bewegen? Mir scheint sie kein Operndirektor, sondern bestenfalls ein Casting-Direktor auf Abruf. Na ja, warten wir es ab .......

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