Mittwoch, 25. Oktober 2017

Unterbeschäftigt – Karlsruher Oper ohne Perspektive

Wenn man die negativen Auswirkungen der aktuellen Karlsruher Opernstrategie analysieren will, kommt man nicht drum herum, die Sänger, ob Solo oder im Chor, zu bedauern. Die Reduktion des Programms trifft nämlich vor allem die Sänger, die teilweise kaum noch etwas zu singen haben und dann plötzlich mit verringerter Bühnenpraxis und aus der Übung geraten, große Rollen bekommen und bei sehr wenigen Auftritten im Jahr gefordert werden. Es gibt kaum noch Abwechslung, kaum noch Programm, zu wenige Auftritte. Während der Intendanz von Achim Thorwald waren die Wochenpläne oft (zu) vollgestopft, nun sind sie zu leer - das Repertoire ist heruntergewirtschaftet, die Karlsruher Oper ist als Sparte ins Abseits geraten. Das Publikum spürt diese programmatische Insolvenzverschleppung und verliert anscheinend langsam, aber stetig das Interesse.

Wer auch immer 2018 neuer Operndirektor wird, hat die Herkulesaufgabe, endlich eine langfristige Strategie auf die Beine zu stellen. Nur, wie soll das gehen? Länger als 10 Jahre sollte kein Intendant am selben Theater tätig sein. Alles was darüber hinausgeht, ist Schlendrian und Gnadenbrot. 2021 steht nach 10 Jahren ein Intendantenwechsel bevor, der zwingend erfolgen muß, alles andere wäre für das Badische Staatstheater ein katastrophaler Stillstand und für Intendant Spuhler das Eingeständnis des Scheiterns und des unrühmlichen Karriereendes.

Ein weiterer Faktor für die Unruhe: mindestens drei Operndirektoren in 10 Jahren wird Intendant Spuhler berufen haben. Planung und Kontinuität sehen anders aus. Wer auch immer 2018 Michael Fichtenholz nachfolgt, hat kaum Spielraum. Er muß wahrscheinlich das desinteressierte Sparprogramm des Intendanten fortführen. Die Karlsruher Oper ist in der Sackgasse und braucht einen Richtungswechsel! Wahrscheinlich kann dieser erst 2021 erfolgen – die Kollateralschäden dieser Frist sind kaum abzuschätzen. Die Karlsruher Oper steckt in einer tiefen Sinnkrise. Wer wird sie aus diesem Tal herausführen? Man kann den Verantwortlichen bei Stadt und Land nur dringend raten, frühzeitig die Weichen für die Zukunft zu stellen und nach einem neuen Intendanten Ausschau zu halten, um das Badische Staatstheater aus dem Tal der Tränen zu führen.

Daß dieses aktive Wirken des Verwaltungsrats nötig ist, kann man aktuell an der Wahl des neuen GMD beobachten: Man hört, daß die beiden favorisierten Kandidaten für die Nachfolge Justin Browns abgesagt oder lieber anderswo zugesagt haben. Über die Gründe kann nur spekuliert werden, doch wieso sollte man GMD in Karlsruhe werden wollen? Das Orchester ist zwar attraktiv, aber wo sind die Ziele bis 2021? Hat die Karlsruher Oper irgendwelche Ambitionen in den kommenden Jahren? Was Intendant Spuhler anzubieten hat, könnte zu wenig sein, um die guten Kandidaten nach Karlsruhe zu locken. Man könnte meinen, daß hier schon Kollateralschäden durch das Unwirken und Herumwurschteln der aktuellen Intendanz eine Rolle spielen.

Kommentare:

  1. Es ist zum Heulen wie langweilig die Karlsruher Oper geworden ist. Wenn ich in den benachbarten Opernhäusern unterwegs bin treffe ich mit steigender Tendenz "Karlsruher", die nach Frankfurt, Wiesbaden, Mainz, Mannheim, Heidelberg, Straßburg, Pforzheim und Stuttgart ausweichen. Und wieder stellt sich die Frage: wieso bekommt man Miliionen Steuergelder für ein A-Orchester, Opernsänger und Opernchor wenn die Verantwortlichen kaum noch was bieten wollen und manche Mitarbeiter Vollzeit bezahlt werden, aber nur noch halbtags arbeiten müssen

    Ihr Wort in Gottes Ohr! Das Badische Staatstheater braucht DRINGEND einen NEUSTART. Wer verrät es den Kulturpolitikern, deren Kompetenz man in Frage stellen muss, wenn nicht bald eine Perspektive eröffnet wird.
    Haben Sie Kontakt zur Politik? Können Sie nicht eine Online-Petition starten? Oder eine andere Maßnahme, mit dem sich das Stammpublikum für die Zukunft des Staatstheaters engagiert.
    Die Ausschreibung für die Nachfolge von Peter Spuhler gehört schnell veröffentlicht, damit man möglichst viele Kandidaten bekommt und mit mehr Sorgfalt als zuletzt den neuen Intendanten aussucht.

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    1. Vielen Dank für Ihren Kommentar! Ich merk das auch bei mir selber, ich plane öfters Ausflüge zum Zweck des Opernbesuchs in anderen Städten.

      Bzgl. Kontakte zu Politik oder politisches Engagement: wer Vollzeit-Job und Familie hat, dem fehlt für diesen Luxus die Zeit. Es gibt wahrscheinlich einen guten Grund, wieso Beamte, Lehrer, Halbtagsbeschägtige etc, engagiert sind: sie haben Zeit. Der Idee mit der Petition muß sich jemand aus dieser Gruppe annehmen. Ich unterstütze die Bemühungen um ein wieder qualitativ gutes Badisches Staatstheater mit dem in der Nacht geschriebenen Wort

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  2. Ich stimme Ihnen beiden mit blutendem Herzen zu!

    Betrifft neuen GMD: Mallwitz ist ab 2018 GMD am Staatstheater Nürnberg. Die Karlsruher Kulturpolitiker sind vergeblich zu ihr nach Erfurt gefahren.
    Um Beermann hätte man kämpfen müssen. Für Spuhler wäre Beermann ein Glücksgriff gewesen. Was er in Chemnitz gezeigt hat, hätte Karlsruhe gut getan. Dazu evtl. mehr Engagement bei CD-Aufnahmen und überregionaler Präsenz. Sie haben Recht, wieso soll er nach Karlsruhe kommen, wo er in der Oper nichts zu entscheiden hat und keine Perspektive besteht. Es ist ein Jammer, wie es um Karlsruhe steht. Neuer Intendant oder petition für den Erhalt der Qualität am Staatstheater - ich bin dabei.

    Mit besten Grüßen, Christian

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    1. Herzlichen Dank für die Info. Die Unruhe wegen der Absage habe ich schon von anderer Stelle zu spüren bekommen. Ich hoffe, man findet noch Argumente, um Beermann zu überzeugen. Andernfalls muß man auch mal konsequent sein und auf einem GMD verzichten, bis man den passenden Kandidaten hat. Das gab es schon früher, daß ein Interims-GMD ernannt wurde.
      Daß Intendant Spuhler und seine unverzeihlich halbherzigen Opern(abseits)pläne Kandidaten abschrecken, kann ich mir sehr gut vorstellen. Ich hoffe, daß man nicht unüberzeugt einen Ersatz-GMD engagiert, der sich aus finanziellen Gründen dem Desinteresse der Intendanz an der Oper unterordnet und es sich bequem macht.

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  3. Der neue GMD ist....*trommelwirbel*....erst mal der alte. Justin Brown bleibt zwei weitere Jahre. Nicht jede sprichwörtliche Ratte verlässt das sinkende Schiff - aber keine Ratte schwimmt auf ein sinkendes Schiff. (Florian Kaspar)

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    1. Herzlichen Dank für die Info. Brown liegt sein Orchester offensichtlich am Herzen, wenn er nach seinem selbstgewählten Abgang nun doch um zwei Jahre verlängert. Finanzielle Gründe würde ich hier nicht vorrangig vermuten. Und wer weiß, vielleicht verlängert er 2020 noch mal, um sein Orchester zu schützen. Das Problem liegt in der Intendanz.

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