Donnerstag, 30. Januar 2014

Shakespeare - Ein Sommernachtstraum ..... ein Bericht erfolgt hier erst später

Vielen Dank für Ihren Besuch dieser Seiten!
Allerdings konnte ich die gestrige Premiere des Sommernachtstraum nicht besuchen und werde mir erst im Februar eine Vorstellung ansehen.
 
An einem Tag (und sogar schon in der Nacht) nach einer Premiere schnellen die Besucherzahlen dieser Seiten stets deutlich nach oben und lassen erkennen, welches Prestige ein Stück besitzt. Die Premiere der Fledermaus war in dieser Hinsicht in dieser Spielzeit der klare Spitzenreiter. Über einen längeren Zeitraum lässt sich ein anderes Muster erkennen, das obige Beobachtung ergänzt: umso mehr Emotionen eine Produktion des Badischen Staatstheaters auslöst, desto häufiger wollen sich Vorstellungsbesucher darüber informieren und landen auf diesen Seiten. Und zum Abschluß eine dritte Beobachtung: weniger gelungene Produktion führen zu mehr Kommentaren. Es scheint wichtiger für das emotionale Gleichgewicht, Unzufriedenheit oder Ärger zu artikulieren statt Zufriedenheit und Freude.

Schon wieder Sommernachtstraum?
Es ist meines Erachtens eine mutige Entscheidung des Karlsruher Schauspiels, Shakespeares Sommernachtstraum ins Programm zu nehmen. Immerhin liegt die letzte Inszenierung nur wenige Jahre zurück und war ein grandioser Erfolg und eine der schönsten Produktionen des letzten Jahrzehnts. Ich selber sah sie mehrfach. Jan Linders stellt sich also dem Vergleich. Nach den bisher stets zu seinen Ungunsten verlaufenen Vergleichen der letzten beiden Spielzeiten ist das mutig und hoffentlich wird diesmal sein Mut belohnt. Da der Sommernachtstraum auch eines meiner persönlichen Lieblingsstücke ist, liegen meine Erwartungen hoch und die Vorfreude ist groß. Falls Sie in der Premiere waren, schreiben Sie mir doch einen Kommentar mit Ihren Eindrücken!
NACHTRAG: Ein Vorstellungseindruck findet sich inzwischen hier.

Die große Dürre - Zur restlichen Spielzeit 2013/14
Die Spielzeit geht noch knapp 6 Monate. Dennoch ist sie fast schon vorbei. Nichts spannendes Neues scheint in den kommenden Monaten auf die Bühne des Schauspiels zu kommen. Diese dritte Spielzeit zeigte bisher gute Tendenzen. Nun beginnt die große Dürre. Was wird den Schauspielbesuchern noch geboten? Im Schauspielpremieren-Abonnement sind noch drei Vorstellungen:
  • Maienschlager von Katharina Gericke ist für ein jugendliches Publikum und behandelt die fast schon wie ein klischeehaft konstruiertes Symbol klingende homosexuelle Liebe zwischen einem 16jährigen Hitler-Jungen und einem 15jährigen Juden im Jahre 1938. Bei besten Absichten besteht oft etwas Kitschgefahr ....
  • GAS I & II aus der Sozialen Trilogie von Georg Kaiser ist historisch von Interesse. Die Koproduktion mit den Ruhrfestspielen Recklinghausen löste dort 2013 anscheinend wenig Begeisterung aus.
  • Und die letzte Premiere der Spielzeit scheint zu entfallen: die Adaption von Hermann Hesses Roman Glasperlenspiel ist sang- und klanglos aus dem Programm verschwunden. Man kann gespannt sein, was nun im Abo als Ersatz geboten wird. 
  • Im Studio scheint auch nur noch eine Doku-Soap über die NSU und ein neues ukrainisches Stück zu kommen

Was kann man also als Zuschauer des Sprechtheaters noch besuchen? Große Überraschungserfolge gehören nun nicht gerade ins aktuelle Karlsruher Schauspiel-Repertoire. Ich hoffe dennoch ein wenig auf eine Überraschung bei GAS I & II und schaue mir sonst wieder die Spielpläne von Frankfurt und Stuttgart an. Dantons Tod in Baden-Baden hat sehr gute Kritiken bekommen. Das wäre auch mal ein spannender Vergleich.

Montag, 27. Januar 2014

Vorschau: Händel Festspiele 2015

Hier ein erster Ausblick auf 2015:

TESEO
Mit Invernizzi, Arias Fernandez, Hindrichs – Sabadus, Ferri-Benedetti, Wey
Regie: ???
Dirigent: Michael Form
Premiere 20.2.15, weitere Aufführungen 22.2., 25.2., 27.2., 1.3.

RICCARDO PRIMO
Mit Hindrichs, Lefilliâtre – Fagioli, Abadie, Tamagna, Finden
Dirigent: Paul Goodwin (anstelle von Michael Hofstetter, so meldet es da Badische Staatstheater im März)
WA-Premiere 24.2.15, weitere Aufführungen 26.2. & 28.2.

Galakonzert VESSELINA KASAROVA
Dirigent: Richard Baker
02.03.15

Teseo aus dem Jahr 1713  ist eine der Händel Opern, die in Karlsruhe noch nicht gespielt wurden. Dazu eine hochkarätige Besetzung bei den Sängern! Beste Aussichten also auch für die Händel Festspiele im nächsten Jahr und ein Bravo! und Vielen Dank! an Festspielleiter Dr. Bernd Feuchtner!

Zusätzlich gibt es noch dieses Jahr ein Konzert mit Max Emanuel Cencic am 28. September 2014 mit Arien von Johann Adolph Hasse!

PS: Liebes Badisches Staatstheater, als Barock-Opernfan würde ich am liebsten sofort meine Eintrittskarten für 2015 kaufen. Bei der Wiederaufnahme von Riccardo Primo wäre es schön, wenn Abonnenten wieder ein Vorverkaufsrecht bekommen!

Sonntag, 26. Januar 2014

Adams - Dr. Atomic, 25.01.2014

Das Badische Staatstheater blieb sich bei der gestrigen Opernpremiere von Dr. Atomic in zweifacher Hinsicht treu: erneut gelang es bei einer zeitgenössischen und weitgehend unbekannten Oper deutlich interessanter und origineller zu sein, als bei den bekannten Publikumszugpferden. Dennoch ist man am ganz großen Erfolg vorbeigeschrammt. Dabei muß man eines klar feststellen: Den visuell sensationellen 1. Akt muß man gesehen haben! Nach der Pause baut die Inszenierung zwar ziemlich ab, aber das Ereignis des ersten Akts überwog beim Premierenpublikum und alle Beteiligten bekamen viel Applaus.

Worum geht es (1)? 
Adams' Oper thematisiert die Zündung des ersten Atombombentests am 15.07.1945 (bereits am 6. August 1945 wurde dann Hiroshima verwüstet, am 9. August Nagasaki) und konzentriert sich auf wenige Personen und deren Empfinden. Es passiert also wenig, man diskutiert und erwartet das Ge- oder Mißlingen des ersten Tests. Der erste Akt spielt in den Tagen zuvor und endet in der Nacht vor der ersten Atombombenzündung. Der zweite Akt behandelt die letzten Stunden hin bis zum Countdown und ist fast ohne Handlung. Das Geschehen ist überwiegend innerlich. Ein Schwachpunkt dieser Oper ist das Libretto, das aus Aktennotizen und Berichten sowie mit literarischen Texten und Zitaten zusammengesetzt (manch einer würde sagen: zusammengestückelt) ist und immer wieder versucht, Bedeutsamkeit zu behaupten, wo es an Bedeutung mangelt.

Worum geht es (2)? - Geschichtlicher Hintergrund
Im Dezember 1938 gelang den Chemikern Otto Hahn und seinem Assistenten Fritz Straßmann in Berlin am Kaiser-Wilhelm-Institut für Chemie die erste Kernspaltung von Uran - ein epochales Wissenschaftsereignis: Hahn erhielt dafür 1944 den Nobelpreis für Chemie. Hahns frühere Assistentin Lise Meitner, die wegen den Nazis nach Schweden emigriert war, lieferte dazu die richtige theoretische Deutung. Der dänische Physiker Niels Bohr erzählte Anfang 1939 auf einer Reise durch die USA Albert Einstein von dem geglückten Experiment. Einstein schrieb noch im gleichen Jahr an den amerikanischen Präsidenten Roosevelt eine Warnung, im März 1940 forderte der Pazifist Einstein Roosevelt in einem zweiten Brief auf, etwas zu tun. Doch erst im Herbst 1941 begannen die USA Maßnahmen einzuleiten - das Projekt unter dem Decknamen Manhattan. Einstein war nicht involviert: man traute ihm nicht. Der amerikanische Physiker Robert Oppenheimer war der führende US-amerikanische Theoretiker und wurde der Direktor der geheimen Forschungseinrichtung im Los Alamos im Bundesstaat New Mexico. Die militärischen Leitung hatte General Leslie Grove.

Ein Vielzahl berühmter Wissenschaftler arbeite an dem Projekt, unter ihnen auch der ungarische Forscher Edward Teller, der an der Technischen Hochschule in Karlsruhe studiert hatte und später der militärischen Forschung treu blieb und nach dem zweiten Weltkrieg als der "Vater der Wasserstoffbombe" bezeichnet wurde, also einer Bombe, die ihre Energie nicht aus Kernspaltung, sondern aus Kernfusion bezog. Teller spielte eine ambivalente Rolle im Projekt Manhattan und hatte eine problematische Persönlichkeit. Er fühlte sich übergangen und weigerte sich bei den Berechnungen zur Kernspaltungsbombe mitzuarbeiten. Teller denunzierte später Oppenheimer als Risikofaktor und sorgte dafür, daß er keine verantwortliche Position bei Folgeforschungen erhielt. (Im wenig verständlichen zweiten Akt der Karlsruher Inszenierung gibt es eine Szene, in der Teller Oppenheimer mit einem Messer in den Rücken sticht).

Was ist zu sehen?
Vor wenigen Jahren konnte die Kunstgattung Oper ihren 400. Geburtstag feiern und ein Erfolgsgeheimnis dieser Kunstform ist es, alle anderen Künste integrieren zu können. Große Autoren schrieben Libretti, bildende Künstler und sogar Architekten gestalteten Bühne und Kostüme, aus allen Bereichen gewann man Mitarbeiter und Regisseure, die neue Ideen einbrachten und auch neue technische Möglichkeiten gaben nie gesehene Faszination. Die Oper ist große Kunstfusion und Fusionskunst. Und das ist auch der Verdienst und Ruhm des ersten Akts der Karlsruher Inszenierung: Das Bühnengeschehen ist komplett in eine Zeichentrickanimation eingefügt und die Bühnenwirkung ist großartig. Ich kann mich nur wiederholen: das muß man gesehen haben! Ein Bravo an das Animationsteam: Benedikt Dichgans, Philipp Engelhardt und Andreas Grindler. Oper auf der Höhe der Zeit und vor allem geht es hier nicht um Effekte um des Effekts willen, sondern um den angemessenen und perfekt passenden ästhetischen Ausdruck zur Oper. Das Libretto bietet wie erwähnt wenig Handlung, die Texte sind überwiegend literarische oder dokumentarisch überlieferte Zitate, die kaum ihre Figur charakterisieren. Regisseur Yuval Sharon: "So entstand die Idee, die Sprache von Comics zu nutzen. .... Jede der Figuren ist zugespitzt, sie sind stark, kommen aber nacheinander, so dass kein dreidimensionales Bild entsteht. Die Komplexität des Stoffes entsteht im Kopf des Zuschauers. Genau so funktionieren auch Comics, deshalb wollte ich diesen Akt in einer Comic-Sprache auf die Bühne bringen." Der erste Akt ist ein großer Wurf und bekam sehr langen Applaus und Bravos zur Pause.

Der zweite Akt ....... schade, schade, schade! Es gibt keine Animation, sondern nur eine leere Bühne. Der Regisseur hierzu: "Im zweiten Akt gibt es eine völlig andere Handlungsweise als im ersten Akt. Obwohl wir das Ziel kennen, ist der zweite Akt nicht mehr zielstrebig, sondern schwebend. Deshalb haben wir uns für ein leeres Blatt Papier entschieden, auf dem eine Welt entstehen, aber auch vernichtet werden könnte. Es ist doch auch erstaunlich, dass eine Formel auf einem Millimeterpapier die ganze Welt verändern kann!"
Die letzten Stunden vor der Explosion ziehen sich in surreale Länge und Langeweile. Figuren laufen und stehen herum und warten und sinnen und schauen und machen scheinbar bedeutungsvolle Bewegungen. Der Chor kommt auf die Bühne und geht wieder ab, und das mehrfach. Es ist so schade, daß der Regisseur das Geschehen so verfremdend und verwirrend darstellt. Die wachsende Ratlosigkeit und Enttäuschung  war beim Publikum im Verlauf des zweiten Akts fast schon mit Händen greifbar. Spannend wird es wieder gegen Ende während des Countdowns, doch das rettet nicht diesen Teil der Oper vor einer spröden Starrheit.

Was ist zu hören?
Seit dem großen Erfolg des Balletts Siegfried ist der amerikanische Komponist John Adams (*1947) vielen Besuchern des Badischen Staatstheaters zumindest ein akustischer Begriff. Nun kann man ihn auch als Opernkomponisten entdecken. Dr. Atomic wurde 2005 in San Francisco uraufgeführt, 2010 erfolgte die deutsche Erstaufführung und in dieser Spielzeit wird die Oper auch in Straßburg gespielt. Nicht immer klingt Adams in Dr. Atomic unverkennbar nach Adams. Die textlichen und dramaturgischen  Schwächen des Librettos können auch musikalisch nicht ausgeglichen werden, dafür ist die Musiksprache zu heterogen und unruhig. Johannes Willig leitet das Orchester souverän durch die Klangmassen und bewies wieder, daß die Badische Staatskapelle alles spielen kann.
Beim ersten Hören von Dr. Atomic fällt besonders die bekannteste Arie Batter my heart auf, die am Ende des ersten Akts gespielt wird (und unverkennbar nach Adams klingt). Armin Kolarczyk, die schönste und charaktervollste Baritonstimme der Karlsruher Oper und einer der wirklichen Publikumslieblinge, singt sie ergreifend und intensiv und bekam am Ende des Abends die meisten Bravos. Überhaupt ist man wieder auf gewohnt sehr hohem Niveau und alle Sänger tragen ihren Anteil bei. Hervorheben muß man die beiden Sängerinnen. Katharine Tier, die die größte Rolle neben Kolarczyk stimmstark meistert und die stimmschöne Dilara Baştar, die zwar noch im Opernstudio ist, aber hoffentlich noch darüber hinaus in Karlsruhe gehalten wird.
Ein großes Lob geht an den Chor, der eine Vielzahl von Stimmungen vermitteln muß -gehetzt, geschäftig, flehend, furchtvoll- und dazu in komplexen musikalischen Strukturen.

Fazit: Inszenatorisch zwischen Top und Flop. Doch den ersten Akt muß man gesehen haben und darf man als Opernfreund nicht verpassen! 

Besetzung und Team:
Robert Oppenheimer: Armin Kolarczyk
Kitty Oppenheimer: Katharine Tier
General Leslie Groves: Renatus Meszar
Robert Wilson: Steven Ebel
Jack Hubbard: Jaco Venter
Edward Teller: Lucas Harbour
Kapitän James Nolan: Klaus Schneider
Pasqualita: Dilara Baştar

Musikalische Leitung: Johannes Willig
Regie: Yuval Sharon
Bühne: Dirk Becker
Kostüme: Sarah Rolke
Animation: Benedikt Dichgans, Philipp Engelhardt, Andreas Grindler

Freitag, 24. Januar 2014

Lausund - Benefiz. Jeder rettet einen Afrikaner, 23.01.2014

Nach dem turbulenten Richtfest (mehr hier) erfolgte nun gestern die Premiere der zweiten Komödie in dieser Spielzeit und man muß dem Karlsruher Schauspiel zu seiner Wahl gratulieren: Richtfest und Benefiz sind beide sehr gute Komödien, die mehr zu bieten haben als nur Witz und Komik, sondern auch aktuelle Bezüge und Denkanstöße vermitteln können. Der gestrige Abend hinterließ einen guten Eindruck, allerdings wäre mehr möglich gewesen und einige Durchhänger vermeidbar.

Dienstag, 21. Januar 2014

Sanierung und Neubau beschlossen!

Der 21. Januar 2014 ist ein gutes Datum für Stadt und Land! Der Karlsruher Gemeinderat hat heute ohne Gegenstimme bei nur drei Enthaltungen eine Generalsanierung und Erweiterung des Badischen Staatstheaters mit einem Kostenvolumen von 125 Millionen Euro beschlossen. Diese Kosten werden von der Stadt Karlsruhe und dem Land Baden-Würtemberg jeweils zu 50% getragen und der künftigen Baupreisentwicklung angepasst.
Ein Architektenwettbewerb wird bald ausgeschrieben. Zuerst wird das neue Schauspielhauses mit integriertem Kindertheater gebaut, dann neue Probenräume und Werkstatträume verwirklicht. Die Sanierung des Haupthauses in der Baumeisterstraße erfolgt zum Abschluß.

Zum Neubau des Schauspielhauses
Wo und wie? -  erste vage Gerüchte und Spekulationen kursieren bereits. Man könnte erwarten, daß Intendant Spuhler im Rahmen seiner Vision "Theater für alle" besondere Ansprüche an die Architektur des Hauses stellen wird.
Es könnte also kein reines Sitzplatztheater werden, sondern eine im Innenraum variable Anordnung entstehen, um den Ansprüchen der Zukunft gerecht zu werden. Barocke Verhaltens-Vorbilder können mit heutigen Technologien verschmolzen werden. Um das Theater allen Besuchergruppen zu öffnen, könnte also der Vorrang des Bühnengeschehens gebrochen werden und die Möglichkeit zur geselligen Kommunikation auch während der Vorstellung ermöglicht werden, also bspw. Tische an jedem Platz, um Getränke und Essen abstellen zu können, kostenloses W-LAN bzw. Anschlußmöglichkeiten für mobile Geräte, um E-Mails lesen zu können und im Internet zu surfen. Auch virtuelle und echte Chat-Räume für Zuschauer, um während der Vorstellung bereits zu diskutieren oder Kontakte zu knüpfen, könnten diskutiert werden. Eine Mediathek könnte ebenfalls sinnvoll erscheinen, um außerhalb der üblichen Vorstellungszeiten ein Angebot zu haben.
Ergänzen könnte man dieses Konzept durch Séparées und Videokabinen, die die Live-Vorstellung (oder Aufzeichnungen) auf Bildschirmen übertragen. Im Rahmen der Vision eines 24 Stunden/Tag geöffneten Theaters könnten diese Räumlichkeiten und Kabinen auch nach den Vorstellungen einem nächtlichen Publikum zur Verfügung gestellt werden und das Haus nach Vorstellungsende umdisponiert werden. Zusätzlich ein 24-Stunden-Schnellimbiss, großflächige Toilettenanlagen für die Karlsruher Nachtschwärmer sowie ein Ladenkonzept zur weiteren Durchökonomisierung könnten Peter Spuhlers Vision "Ich träume von einen Haus, das rund um die Uhr offen ist" sinnvoll ergänzen.
Man kann gespannt sein, welche Konzepte man mit dem gegebenen Budget in Karlsruhe umsetzen wird. Doch eines steht jetzt schon fest: einfach nur ein Raum mit Sitzreihen vor einer Bühne wäre eine Enttäuschung.

Montag, 20. Januar 2014

Strauß - Die Fledermaus, 19.01.2014

Die gestrige Fledermaus-Operngala unterschied sich nur in zwei wesentlichen Besetzungen von der Premiere: als Gäste hatte man die norwegischen Sopranistin Solveig Kringelborn als Rosalinde und Martin Gantner aus dem Ensemble der Bayerischen Staatsoper als Eisenstein engagiert. Gantner hinterließ stimmlich und szenisch einen sehr guten Eindruck und bekam völlig zu Recht den meisten Applaus des Abends. Man hatte bei ihm den  Eindruck, einen sehr gut vorbereiteten und professionellen Sänger zu erleben, der nicht improvisiert und dennoch der Vorstellung seinen eigenen Stempel aufdrückt. Kringelborn hat eine beeindruckende Stimme; nur schade, daß sie gestern nicht ihren besten Tag erwischt hatte. Dafür gab es hauseigene Sänger, die den hohen musikalischen Standard des Abends erneut sicherstellten, allen voran eine sehr souveräne Ina Schlingensiepen. Und auch Christina Bock ist eine Klasse für sich: sie ist gerade erst von der Musikhochschule in dieser Spielzeit ins Ensemble gewechselt und es fällt leicht, ihre eine Karriere vorauszusagen. Ihre Rolle als Orlofsky (bzw. hier als greiser Herbert von Karajan) singt und spielt sie meisterhaft. Und auch den Chor und Justin Brown am Pult der Badischen Staatskapelle muß man herausheben. Viel Freude hat man bei dieser Fledermaus aus musikalischen Gründen.

Montag, 6. Januar 2014

Kurze Zwischenbilanz der Intendanz Spuhler

Halbzeit der Intendanz Spuhler
Was hat der Intendanzwechsel bisher den regelmäßigen Zuschauern gebracht? Meines Erachtens nicht viel, wenn man genauer hinschaut. Drei neue Köpfe kamen mit Teams nach Karlsruhe: Intendant Spuhler, Operndirektor Schaback und Schauspielleiter Linders - ihre Halbzeit-Bilanz ist durchwachsen mit Höhen und noch mehr Tiefen.
Errungenschaften hat die neue Intendanz bisher überwiegend außerhalb der Bühne aufzuweisen. Eine Kindersparte wurde gegründet sowie die Zusammenarbeit mit den Schulen ausgebaut und es scheint, als ob diese Maßnahmen schnell erfolgreich waren und man dadurch deutlichen Publikumszuwachs generiert hat. Klar loben muß man das Badische Staatstheater auch dafür, daß es versucht die Akzeptanz bei den Bürgern zu stärken und Knut Webers Linie in dieser Hinsicht fortführt - ob nun mit dem KSC-Projekt oder Singspielen wie Dylan und Rio Reiser - man ist in den letzten Jahren massenkompatibler geworden. Man stellt sich breiter auf als es früher üblich war, spricht andere Publikumszielgruppen an, will Erst- und Neubesucher anziehen. Die Programm-Balance hat sich dennoch in den letzten 2,5 Jahren verschoben - problematisch ist das nur dadurch, daß man beim Kernrepertoire nicht das gewohnte Niveau halten konnte und an künstlerischem Gewicht verloren hat.

Problemzone Schauspiel
Besonders auffällig ist der Leistungsabfall im Schauspiel. Dort  ist man substanzärmer und durchschnittlicher geworden und setzt stärker als früher auf musikalische Beschallung, äußerliche Effekte und Populäres. Leider hat man Probleme beim tradierten Sprechtheater, bei dem man immer wieder hilflos und überfordert wirkt. Doch Langeweile macht sich schon bei der Programmzusammenstellung breit. Man plant kommerziell, nicht künstlerisch, man hat primär die Zielgruppe im Blick, nicht die künstlerische Vision und dessen Ausdruck. Man plant seine Programmpunkte im Hinblick auf Senioren und Schüler, für unerfahrene Theaterbesucher und um zu zeigen, daß man einer plakativen gesellschaftlichen Aktualität hinterherläuft. Die Inszenierung sehen dann auch meistens danach aus: geplante Routine, brave Biederkeit, einfallslose Erwartbarkeit. Wie im Eiskunstlauf gibt es Pflicht und Kür - das Zielgruppenkonzept erfüllt vielleicht die Pflicht, doch gemessen wird man entscheidend bei der Kür, und dort hat man als Staatstheater auch eine Leuchtturmfunktion und muß das zeigen, was  andere Theater künstlerisch nicht ohne weiteres auf die Bühne bringen können. Diese qualitative Funktion ist im Schauspiel zu oft verloren gegangen. Bestes Beispiel war Ende November die Übernahme von Endstation Sehnsucht, die zeigte, daß das Badische Staatstheater dann heftig ins Straucheln kommt, wenn man sich an die Stücke des Kernrepertoires wagt. (Andere Beispiele: die schnell abgesetzte Shakespeare Komödie Wie es euch gefällt, die zum Pubertätsdrama reduzierte Tschechow'sche Möwe, das Experimentalfiasko Auf Kolonos und viele andere nichtssagende Langeweiler-Produktionen). Der Vergleich mit dem Schauspiel in Frankfurt und Stuttgart belegen den Dimensionsverlust, wenn man auf dem Niveau zu spielen versucht, das man im Badischen Staatstheater erwarten sollte.

Bedeutungsverlust: Kommerz schlägt Anspruch?
Ich muß zugeben, daß ich nicht überrascht war, als man mir letzten Herbst (wie sich schnell herausstellte fälschlicherweise) versicherte, daß André Rieu im Februar 2014 ein Konzert im Badischen Staatstheater geben würde. Dieser beliebte Künstler konzertiert tatsächlich in Karlsruhe - allerdings in einem anderen Saal. Der Kern der Botschaft ist dabei, daß ich es der Intendanz des Badischen Staatstheaters zugetraut hätte. Immerhin eine Chance, sich breiter und populärer aufzustellen. Aufmerksamkeit und Zuschauerzahlen schlagen also künstlerische Vorbehalte? In diesem Punkt muß man Äußerungen des Badischen Staatstheaters widersprechen und falsche Wertigkeiten aufdecken: als eine von Steuergeld finanzierte Institution muß man allen Bürgern offen stehen und Ihnen auch das bieten, was sich kommerzieller ausgerichtete Bühnen nicht zutrauen oder nicht wagen. Das soll keine Abwertung von Gruppenschunkeln, rhythmischen Klatschen und Mitsummen/-singen sein. Doch dafür gibt es auch andere Bühnen. Der Standpunkt und die Qualität des Badischen Staatstheaters beweisen sich bei anderen Gelegenheiten: ob nun bei Shakespeare, Schiller, Tschechow oder neuen Autoren, die etwas zu sagen haben - und bei denen sind während dieser Intendanz meistens noch deutlich inszenatorische und darstellerische Steigerungen möglich. Diesbezüglich unzufriedene Besucher sind nicht "elitär", sondern haben einen anderen Bedeutungs- und Qualitätsanspruch an das Haus an der Baumeisterstraße - sie gehen primär dorthin, um das Besondere zu sehen und nicht nur das Gefällige, Beliebige und Belanglose.

Verpasste Chancen - Oper auf dem Nebengleis
Die Operndirektion verlässt  zur allgemeinen Überraschung nach drei Jahren am Ende dieser Spielzeit bereits wieder Karlsruhe. So richtig bekannt wurde Operndirektor Joscha Schaback nie. Er agierte aus dem Hintergrund und meistens war nach außen Intendant Spuhler im Mittelpunkt der Aufmerksamkeit und Chefdramaturg Bernd Feuchtner bei inhaltlichen Themen. Der Fortgang hinterlässt gemischte Gefühle. Musikalisch-sängerisch gab es einige Höhepunkte. Das Programm war in dieser Sparte anspruchsvoll und präsentierte viel Neues, man setzte mutig auf die Liebhaber und Experten und ist wahrscheinlich nicht wenigen Zuschauer zu schwer, zu spröde und speziell geworden. Die Inszenierungen zeigten Licht und Schatten, neue und interessante Regisseure stellten sich vor, nicht immer wurde der Mut belohnt, nicht immer hatte man eine glückliche Hand. Die Oper hinterließ dennoch künstlerisch einen deutlich besseren Eindruck als das Schauspiel. Nur bei Vielfalt und Abwechslungsreichtum des Opernspielplans verlor man klar an Qualität. Die Zuschauerzahlen stagnierten oder gingen zurück. Welche Sänger das Haus verlassen, wer neu kommt und wie sich Programm und Sparte ändern werden, um mehr Zuschauer anzuziehen, wird noch Stoff für einige Diskussionen geben. Man kann nur wünschen, daß die Karlsruher Kernsparte schnell wieder den Anschluß an frühere Selbstverständlichkeiten findet.  

Im Ballett-, Chor- und Konzertbereich reicht die personelle und qualitative Kontinuität über die aktuelle Intendanz hinaus und ist hier deshalb kein Thema. Der Intendanzwechsel hat hier keine Verschlechterung gebracht und sowohl das Ballettensemble und Birgit Keil bzw. Vladimir Klos, der Chor mit Direktor Ulrich Wagner sowie Justin Brown und die Badische Staatskapelle sind unumstritten und beliebt.

Es gibt weitere positive Aspekte   
Das Serviceangebot im Internet hat sich positiv erweitert, Programmhefte und gelegentlich ein Opernlibretto finden sich dort. Der Vorverkauf beginnt früher und umfasst einen größeren Spielzeitraum, Abos können über das Internet gebucht werden, Gutscheine können dort ebenfalls eingetauscht werden.
Ärgerlich bleibt, daß es für gewisse Abos immer noch unmöglich ist, Karten umzutauschen. Für Abonnenten einfach eine Zumutung, die nun schon Jahre andauert. Beispielhaft soll hier ein mir bekannter Fall erzählt werden: Als die Termine für das Operngala-Abo bekannt waren, bemerkten Bekannte, daß drei von vier Terminen der Spielzeit 2013/14 mit anderen Anlässen kollidieren. Da man bei so vielen Terminen keine ständigen Ersatzbesucher fand, wurde das Abo-Büro des Badischen Staatstheater um Hilfe gebeten, um eine Lösung zu finden. Doch dort hatte man keinen Spielraum und keinen Lösungsvorschlag. Pech gehabt und das bei einem Abo-Preis von fast 300 Euro pro Abonnement für vier Vorstellungen. Das Abo wurde daraufhin aus Verärgerung zum Ende der Spielzeit gekündigt. Die knapp 600 Euro werden zukünftig in Baden-Baden investiert. Also bitte, irgendeine Lösung -selbst mit einem angemessenen höheren finanziellen Verlust für den Verwaltungsaufwand- sollte sich doch endlich finden lassen, um Abo-Karten umtauschen zu können.

Fazit: Man hat erfolgreiche Bereiche: Ballett, Chor, Orchester sowie die langjährigen Publikumslieblinge in den Ensembles sowie starke neue Opernsänger.
Schauspiel und Oper sind auf ganz unterschiedliche Weise Baustellen, die dringend neue Impulse benötigen. Die Leistungsschwankungen zu Beginn einer Intendanz überraschen und erwecken den Eindruck, daß die Herausforderung in Karlsruhe unterschätzt wurden. Man braucht länger als erwartet, um qualitative Kontinuität zu zeigen oder im Hinblick auf das Schauspiel, um an das frühere Niveau anzuknüpfen. Man kann Peter Spuhler und vor allem dem Karlsruher Publikum nur wünschen, daß die Oper einen starken und selbstständigen Direktor bekommt, der um die vorhandenen sängerischen Qualitäten das passende Programm aufbaut und das Schauspiel .... ja, wie soll das die Kurve bekommen? Es gilt Schauspieler auszutauschen, in jeder Hinsicht mehr Sorgfalt und Begeisterung zu zeigen und die Qualität im Sprechtheater deutlich zu verbessern.

Zum Abschluß ein persönliches Fazit: 
Für mich hat sich die Gesamtleistungsfähigkeit nicht verbessert, sondern verschlechtert. Qualitativ sind die Schwankungen im Schauspiel zu groß, der Spielplan der Oper nicht abwechslungsreich genug. Bei beiden ist die Programm-Balance nicht gelungen. Die Spuhler-Zeit erscheint mir aktuell als eine Zeit, in der ich immer wieder feststelle, daß ich Aufführungen nicht weiterempfehlen und eigene freie Abende nicht im Staatstheater verbringen kann und die Möglichkeiten zum Asyl in Frankfurt, Stuttgart und Baden-Baden oder einem Kino prüfe. Das Angebot in Karlsruhe war schon deutlich spannender, substantieller und abwechslungsreicher.

Freitag, 3. Januar 2014

Nachtrag: Silvesterkonzert 01.01.2014

Für alle, die im Weihnachtsurlaub sind oder einfach nicht beim diesjährigen Neujahrskonzert der Badischen Staatskapelle mit GMD Justin Brown und einigen Opernsängern mit einem attraktiven Leonard Bernstein Programm dabei sein konnten, hat das Badische Staatstheater freundlicher- und ruhmvollerweise einen zehnminütigen Querschnitt zum Anhören und -sehen bei youtube veröffentlicht, und zwar hier:

https://www.youtube.com/watch?feature=player_embedded&v=7ItubaRKcGY
  
Wer nicht dabei war, scheint etwas verpasst zu haben! Wie wär' es mit einer Wiederholung zum Spielzeitende?