Freitag, 20. Juli 2012

Rückblick: Die Spielzeit 2011/2012 des Badischen Staatsheaters

Eine Spielzeit bei der die Intendanz wechselt bedeutet einen Einschnitt und einen Aufbruch. Was bleibt in Karlsruhe vom ersten Jahr unter Peter Spuhler übrig? Begann 2011 ein Intermezzo oder eine Ära? Und wer wird Spuren hinterlassen in der Erinnerung und den Herzen des Publikums?

Mittwoch, 18. Juli 2012

Orchesterfest der Badischen Staatskapelle, 21.07.2012

Wegen diverser Nachfragen anbei ein kurzer Überblick über das Programm anlässlich des Jubiläums 350 Jahre Badische Staatskapelle am Samstag, 21.07.2012

Der Eintritt ist den ganzen Tag frei! Bei schlechtem Wetter findet alles im Haus statt.


OPEN-AIR-BÜHNE
15 Uhr: Eröffnung
-Begrüßung durch den Generalintendanten und dem Orchestervorstand. Anschließend: Nachmittagskonzert "Geteilte Pulte": BADISCHE STAATSKAPELLE gemeinsam mit allen drei Schulorchestern des Helmholtz-Gymnasiums

18 Uhr: Bigband-Sound mit dem hauseigenen Blechbläserensemble BaSta Brass

19 Uhr: Klassik und Jazz mit dem Opera Swing Quartet

21 Uhr: Grußworte Staatssekretär Mentrup und Oberbürgermeister Fenrich
Abschlusskonzert mit Beethovens 9. Sinfonie (Heidi Melton, Ewa Wolak, Lance Ryan, Renatus Meszar, Justin Brown)


KLEINES HAUS
15.30 Uhr: Kinderkammerkonzert Vier Orchestermusiker auf Abwegen (ab 10 Jahren)

17 Uhr: Jazz mit dem Jazz-Quartett Reichel

18 Uhr Salut d'amour - Romantische Musik zwischen Konzertsaal und Salon

19 Uhr: Kammerkonzert mit der Kammersinfonie von Ermanno Wolf-Ferrari


STUDIO
16 Uhr: Kammerkonzert mit dem Streichquartett des Hofkapellmeisters Otto Dessoff

17 Uhr: Barockmusik auf historischen Instrumenten

18 Uhr: Kammerkonzert mit dem Streichquartett des Hofkapellmeisters Otto Dessoff

19 Uhr: Tango-Konzert mit Werken von Astor Piazzolla und José Bragato


UNTERES FOYER
16 Uhr: Rotes Sofa – Gespräche rund um die BADISCHE STAATSKAPELLE,

17 Uhr: Opern-Paraphrasen für Flöte / Oboe und Klavier

18 Uhr: Rotes Sofa

19 Uhr: Geigenduette


AUSSTELLUNG ZUR ORCHESTERGESCHICHTE
16.30 Uhr: Ausstellungsführung mit Dr. Joachim Draheim, Leiter der Ausstellung
17.30 Uhr: Ausstellungsführung mit Dr. Joachim Draheim, Leiter der Ausstellung
18.30 Uhr: Ausstellungsführung mit Dr. Joachim Draheim, Leiter der Ausstellung

TERRASSE / MITTLERES FOYER
16-18 Uhr: Instrumentenzoo mit Musikinstrumenten zum Anfassen und Ausprobieren
16 Uhr: Instrumentenvorstellung Harfe
16.30 Uhr: Instrumentenvorstellung und Kleinkonzert Blechbläser
17 Uhr: Instrumentenvorstellung und Kleinkonzert Streicher
17.30 Uhr: Instrumentenvorstellung und Kleinkonzert Holzbläser
18 Uhr: Tangos für Bassklarinette und Klavier

TERRASSE / *ERGOTTI
15-18 Uhr: Spiel- und Mal-Ecke des JUNGEN STAATSTHEATERS
15.30 Uhr: *Musikalisches Taschentheater 1 – 1. Workshop zu den Kinderkonzerten mit Pädagogen des JUNGEN STAATSTHEATERS (ohne Voranmeldung, 4+)
16-18 Uhr: Wir basteln Musikinstrumente – gemeinsam mit Orchestermusikern (4+)
16.30 Uhr: *Musikalisches Taschentheater 2 – 2. Workshop zu den Kinderkonzerten mit Pädagogen des JUNGEN STAATSTHEATERS (ohne Voranmeldung, 4+)

BÜHNENPFORTE MEIDINGERSTRASSE
16-19 Uhr: Halbstündlich Führungen durch den Orchesterbereich
Jeweils max. 25 Personen, mit Zählkarten, Ausgabe Infostand

UND AUSSERDEM
15-24 Uhr: Essen und Getränke im Außenbereich und im MITTLEREN FOYER
15-24 Uhr: Informationsstand mit Publikationen, CDs, Losverkauf und Kartenausgabe Führungen

Dienstag, 17. Juli 2012

8. Symphoniekonzert, 16.07.2012

Symphonien von  Avner Dorman und Ludwig van Beethoven - das letzte Konzert der Spielzeit stellte weitgehend Unbekanntes neben sehr Vertrautes und wurde kontrovers diskutiert.

Avner Dorman komponierte 25-jährig zum Jahrtausendwechsel seine Millenium Symphonie. Die drei ersten der vier ineinanderfließenden Sätze handeln von Krieg, Angst und Trauer und basieren auf drei Gedichten jüdischer Autoren über Kriegserlebnisse; der letzte Satz ist abgeklärt optimistisch: eine leere Leinwand, die es noch zu füllen gilt. Das Stück kam beim Publikum sehr gut an: es ist geprägt durch eine abwechslungsreiche Klangvielfalt, dabei melodiös und bekömmlich, mit gemäßigt-modernem Gestus und doch: etwas stimmte nicht damit. Der Musik fehlte der doppelte Boden. Sie wirkte wie eine Bewerbungskomposition für Hollywood und erinnerte an intelligente, originelle und gekonnt komponierte Filmmusik. Doch damit schienen die Erwartungen der Zuhörer erfüllt: der anwesende Komponist erhielt herzlichen Applaus. Im Februar 2013 steht eine weitere Komposition Dormans auf dem Programm der Symphoniekonzerte, bei der er hoffentlich mehr Tiefgang zeigen kann.

Beethovens 9. Symphonie ist ein symphonisches Schwerstgewicht  und Justin Brown dirigierte diesen Blauwal der Konzertliteratur für viele überraschend schwerfällig und in eher mittleren bis teilweise langsamen Tempi.
Es heißt ja, daß der technikbesessene Herbert von Karajan, der sehr gute Beziehungen zu Sony und Philips hatte, die beiden Konzerne in der Einführungszeit der CD so lange bedrängte, bis die CD-Kapazität auf 74 Minuten festgelegt wurde, damit Beethovens Neunte auf eine Scheibe passte. Dabei dachte man an die langsamste bekannte Version von Furtwängler.  Der Zeitgeschmack hat sich geändert - heute benötigen viele Dirigenten deutlich weniger Zeit. Es gibt CD Einspielungen, die unter 60 Minuten liegen. Justin Brown war gestern mit knapp über 66 Minuten Gesamtdauer schneller als das einige empfanden und doch langsamer als viele wünschten. Besonders im 3. Satz, bei dem die Gefahr bei zu schnellem Spiel darin besteht, daß der wehmütige Charakter trostvoll klingt, zelebrierte Brown Otto Klemperer'sche Dimensionen, allerdings ohne dessen Intensität zu erreichen.
Es gab einige Unkonzentriertheiten bei den Instrumenten - musikalisch war der Abend nicht CD-reif. Und auch das Gesangsquartett bot Stoff zur Kontroverse. Stimmfarben und Stimmkombinationen sind auch immer Geschmackssache: die vier Sänger (Heidi Melton, Ewa Wolak, John Treleaven und Tobias Schabel) passten sehr gut zueinander. Ausgerechnet Melton patzte - und zwar bei beiden Konzerten. Schon viele Soprane scheiterten an dem nahezu unmenschlich-hohen Schlußton. Doch es ist nur  etwas weniger als sechs Jahre her, daß Beethovens Neunte zuletzt in Karlsruhe aufgeführt wurde, und damals meisterte Barbara Dobrzanska souverän und klangschön diese Hürde. Es ist unverständlich, wieso das Badische Staatstheater Melton nicht durch Dobrzanska ersetzte, als sich die Probleme abzeichneten. Der Chor hingegen war sehr gut vorbereitet.
Es war im Publikum ein in hohem Maß kontrovers empfundener Beethoven-Abend mit Höhen und Tiefen, bei dem noch lange diskutiert wurde und der zeigte, wie groß und unterschiedlich die Erwartungshaltungen bei dieser Symphonie sind. Jenseits aller Erwartungen gab es aber auch genug Zuschauer, die die Musik genießen konnten und sich an Beethovens bezwingender Komposition erfreuten.

Am Samstag ist das große Orchesterfest zum 350. Gründungsjubiläum der Badischen Staatskapelle mit freiem Eintritt zu allen Musikveranstaltungen und einer Open-Air Aufführung Beethovens. Dann singt Lance Ryan den Tenorpart!

PS: Hallo liebes Staatstheater, könnt ihr nicht eine gelegentliche Hörgeräte-Beratung als Service ins Staatstheater holen? Zum wiederholten Mal in dieser Saison konzentrierten sich einige wenige gut hörende Besucher darauf, den Inhaber eines pfeifenden Hörgeräts in ihrer Umgebung aufzuspüren. Das Gerät pfeifte zum Glück nur dann, wenn das Orchester lauter wurde oder die Holzbläser größere Einsätze hatten. Der kontrastierende Ton war dennoch keine geeignete Reminiszenz an den schwerhörigen Beethoven ...

Donnerstag, 12. Juli 2012

Tüür - Wallenberg, 11.07.2012

Es gibt kein Ende der Geschichte und auch die knapp 400-jährige Operngeschichte geht weiter. Es ist die Aufgabe eines guten Opernhauses, gerade auch die eines Staatstheaters, sich mit allen Epochen auseinanderzusetzen und moderne Opern gehören wie Barockopern zu den festen Bestandteilen eines guten und ausgewogenen Spielplans. In den letzten Jahren gab es in Karlsruhe übrigens Opern wie Gottfried von Einems Dantons Tod (Uraufführung 1947), Bohuslav Martinůs Die griechische Passion (UA 1961), Sandor Szokolays Blutzhochzeit (UA 1964) und Benjamin Brittens Tod in Venedig (UA 1973) mit durchweg beachtlichem und großem Erfolg zu hören. Und auch Tüürs Wallenberg (UA 2001) sollte man sich als Opernliebhaber nicht entgehen lassen.

Sonntag, 8. Juli 2012

Festspielhaus Baden-Baden: Hans van Manen Gala, 07.07.2012

Viele Karlsruher Ballettfreunde konnte man gestern in Baden-Baden sichten bei einem Gala Abend für Hans van Manen, der dieser Tage seinen 80. Geburtstag feiert (*11.07.1932). Der niederländische Choreograph ist weltweit einer der wichtigsten Meister des neoklassizistischen Tanzes in der Nachfolge George Balanchines und war auch schon mehrfach in Karlsruhe zu Gast. Bereits bei ihrer ersten Premiere als Ballettdirektorin am Badischen Staatstheater im Oktober 2003 setzte Birgit Keil auf zwei seiner Choreographien (damals Andante und Bits and Bytes; 2006 folgten Concertante, Trois Gnossiens sowie Solo und 2010 Adagio: Hammerklavier).

Hans van Manen hat seit 1957 über 120 Choreographien gestaltet, darunter befindet sich kein einziges Handlungsballett. Dennoch erklären sich seine abstrakten Ballette aus sich selbst, ohne dabei plakativ zu sein. Sein Stil ist geradlinig, er setzt auf geometrische Harmonie, Gleichmaß und Sachlichkeit. Van Manen entwirft keine entfesselten oder überhitzten Choreografien, keine grellen Gesten. Er ist ein Meister der  unterkühlten Leidenschaft: sie brodelt bei ihm unter der Oberfläche  und bricht kontrolliert in strengen und teilweise kühlen Bewegungen aus, spannungsvoll, ohne Pathos, aber oft voll milder Ironie. Das Programmheft schreibt dazu passend: Es geht ihm um das Humane im Abstrakten: darum, das Schöne im Menschlichen zu finden. Van Manen verzichtet fast komplett auf Musik, die für Ballett komponiert wurde. Bühne und Kostüme sind minimalistisch und reduziert. Es ist passend, daß er mit seinem großen Landsmann Piet Mondrian und dessen strenger und nüchterner Kunst verglichen wurde.

Gestern also eine Gala für van Manen im Festspielhaus Baden-Baden zu der man das renommierte Het Nationale Ballet Amsterdam eingeladen hatte, das musikalisch begleitet von der Holland Symfonia unter Ermanno Florio folgende Ballette präsentierte: 

Black Cake (1. Teil)
zur Musik von Tschaikowsky 
Trois Gnossiennes zur Musik von E. Satie
Solo aus 5 Tangos zur Musik von A. Piazzolla
Two Pieces for Het zur Musik von E.S. Tüür /A. Pärt
-Pause-
Große Fuge zur Musik von Beethoven
-Pause-
Symphonieën der Nederlanden zur Musik von Louis Andriessen
Solo zur Musik von J. S. Bach
Filmvorführung: Hans van Manen, performer
Variations for two couples zur Musik von Britten, Rautavaara, Tickmayer und Piazolla
Black Cake (5. Teil) zur Musik von Massenet

Der Tanz muß die Musik ausdrücken mit eigenen Mitteln – nichts mehr  - und genau dies konnte man gestern genußvoll beobachten. Das Programm bot diverse Höhepunkte: die dunkle Spannung der Trois Gnossiens, die schroffe Konfrontation der Großen Fuge, das mit 24 Tänzern besetzte und beeindruckend synchrone Symphonieën der Nederlanden oder das von drei Tänzern im fliegenden Wechsel durchweg sehr schnelle Solo. Dazu ein kurzer, interessanter Film mit Aufnahmen Hans van Manens als Tänzer und Choreograph.

Der Abend endete doppelt glücklich: mit dem humorvollen Ballett zur Meditation Thais aus Massenets gleichnamiger Oper und den stehenden Ovationen als Hans van Manen auf die Bühne kam und ca 2500 Zuschauer ihm im ausverkauften Festspielhaus zujubelten. Das Publikum weiß, was es an van Manen hat: auch für die zweite Vorstellung am 08.07. gibt es nur noch sehr wenige Restkarten.

Sonntag, 1. Juli 2012

Vorverkauf Theaterfest / Spielzeitcocktail des Badischen Staatstheaters

Falls es jemandem entgangen sein sollte: die Karten für den beliebten Spielzeitcocktail am Abend des Theaterfests am Samstag, 15.09.2012 sind bereits im freien Verkauf oder im Internet erhältlich!

http://www.staatstheater.karlsruhe.de/spielplan/september/
oder genauer hier:
http://www.staatstheater.karlsruhe.de/programm/info/1388/