Donnerstag, 31. Mai 2012

Vorschau: Operetten-Änderung 2012/13

Statt wie ursprünglich angekündigt Die drei Musketiere von Ralph Benatzky, wird in der kommenden Saison Der Vetter aus Dingsda von Eduard Künneke als Operette in Karlsruhe zu hören sein.

Am 13.06. wird das Programm für die Symphoniekonzerte verkündigt, danach sollten auch die gedruckten Vorschauen bald erhältlich sein. Mal schauen, ob es dann noch mehr Änderungen zur im April veröffentlichten Spielzeit Planung 2012/13 gibt.

Dienstag, 29. Mai 2012

Festspielhaus Baden-Baden: Donizetti - Der Liebestrank, 28.05.2012

Rolando Villazón kann man nur mögen! Medial vermittelt er das Bild eines sympathischen und authentischen Künstlers mit überbordendem Temperament und Engagement, der seine ganze Persönlichkeit in seine Arbeit steckt. Als Sänger zeichnet ihn seine großartige und  unverwechselbare Stimme aus, doch leider wurde er durch gesundheitliche Probleme immer wieder zurückgeworfen und musste sogar eine Operation an den Stimmbändern über sich ergehen lassen. Heute wird oft kolportiert, daß er nicht mehr wie früher klingt - aber wer ihn gestern bei der Premiere von Donizettis Liebestrank hörte, der wird bestätigen können, daß er ein Ausnahmetenor ist, der mit seiner Stimme die Zeit stehen lässt und das Publikum in seinen Bann zieht. Letztes Jahr begeisterte er in Baden-Baden als Don Ottavio in Mozarts Don Giovanni, am Pfingstmontag wurde er in seiner Paraderolle als Nemorino und als Regisseur gefeiert.

Sein Inszenierungsstil ist wie seine Persönlichkeit: überbordend. Mit seinen Einfällen geht er verschwenderisch um: nicht nur inszeniert er die Handlung, er erzählt noch viele weitere kleine Geschichten und gibt Nebenrollen und Statisten wichtige Auftritte. Wo sonst der Chor oft eine einförmige Masse mit erwartbaren Bewegungsmustern ist, weiß man bei Villazón nicht, wo man hinschauen soll: überall passiert etwas, ja, es ist schon fast zu viel, um alles wahrzunehmen. Das Publikum wird durch Villazóns Erzählfreude verwöhnt, vielleicht auch gelegentlich überfordert, aber immer im positiven Sinne sehr gut unterhalten.

Der Liebestrank ist eine Wohlfühloper voller publikumswirksamer Szenen. Donizettis Oper ist vielleicht die erste romantische Komödie und schuf damit ein Genre, das Hollywood später meisterhaft beherrschen sollte und dessen Handlung man vor 50 Jahren mit Doris Day und Rock Hudson verfilmt hätte. Am Badischen Staatstheater gab es 2005 eine schöne Produktion des Liebestranks von Robert Tannenbaum, die in den USA der 1950er angesiedelt war: mit Petticoats und Cadillacs. Villazón verlegt den  Liebestrank gleich nach Hollywood: in ein Stummfilmstudio der 1920er Jahre, in dem ein Western gedreht wird. Nemorino ist ein Komparse und tritt in der ersten Szene als Mexikaner mit Poncho und großem Sombrero auf, Adina ist die Hauptdarstellerin des Films, die vom männlichen Filmdarsteller des Belcore umgarnt wird. Dulcamara ist Regisseur und Schauspieler, Giannetta die Regieassistentin. Dazu kommen viele amüsante Einfälle: die Daltons als Panzerknackerbande, eine ins Gesicht geworfene Sahnetorte, Fred Astaire, Can-Can Tänzerinnen, Saloon Schlägereien, Indianer und auch King Kong verirrt sich aus dem Nachbarstudio aufs Filmset. Viele Gags, auch Klamauk und Slapstick, übergroße Stummfilm-Gestik, viel Bühnengeschehen und alles in allem viel Spaß und eine Regiearbeit, die den Regisseur widerspiegelt und vom Publikum dankbar bejubelt wurde. Johannes Leiacker (Bühnenbild) und Thibault Vancraenenbroeck (Kostüme) liefern sehr gute Arbeit ab.

Auch sängerisch hat das Premierenpublikum sein Kommen nicht bereut: Nemorino ist Villazóns Paraderolle, Una furtiva lagrima kann man als seine Parade-Arie bezeichnen und auch gestern bekam er dafür den intensivsten und längsten Applaus.
Miah Persson
ist als Adina souverän: völlig mühelos singt sie ihre Rolle mit sicherer und schöner Stimme und zeigt, wieso sie aktuell zu den begehrtesten Sängerinnen gehört.
Wer letztes Jahr Ildebrando D’Arcangelo als Don Giovanni in Baden-Baden gehört hat, hält ihn wahrscheinlich für einen der besten Bassbaritone unserer Zeit und auch gestern als Dulcamara war er begeisternd und setzte Maßstäbe: Er spielt und singt mit unglaublich viel Bühnenpräsenz und Ausdrucksstärke: ein ganz großer Auftritt!
Überhaupt: alle scheinen an dieser Produktion Spaß zu haben; die Spielfreude sieht und hört man dem ganzen Team (Balthasar-Neumann-Chor) an, auch den beiden kleineren Rollen: Roman Trekel spielt einen wunderbar eitlen und eingebildeten Belcore, Regula Mühlemann macht neugierig in der kleinen Rolle der Gianetta.
Der Dirigent Pablo Heras-Casado präsentiert einen einfallsreichen und sehr kantablen und durchsichtigen Donizetti, bei dem man einiges heraushört, was anderswo gelegentlich untergeht. Das Balthasar-Neumann-Ensemble spielt (fast) fehlerfrei unter seiner Leitung.

Fazit: Sängerisch, musikalisch und inszenatorisch werden die Glücksversprechen eingelöst. Eine schöne, liebevolle und empfehlenswerte Produktion! Wem dieser Liebestrank kein Lächeln auf die Lippen zaubert, dem ist an diesem Abend auch nicht mehr zu helfen. Alle anderen können sich auf viel Spaß und Freude einstellen.

PS(1): Ein Opernglas lohnt sich: auf den Gesichtern und der Bühne passiert so viel,  daß sich ein genaues Hinschauen lohnt.

PS(2): Im Rheintal rund um Karlsruhe und auf dem kurzen Weg nach Baden-Baden war es ein wunderschöner und warmer (nicht heißer) Pfingstmontag. Im Festspielhaus allerdings fühlte man sich ins Gemüsefach eines Kühlschranks versetzt und einige werden Jacke oder Schal fröstelnd vermisst haben. Wer keinen Spaß hatte, wird bei diesen Temperaturen zumindest nicht altern und kann daher Donizetti nicht als Zeitverschwendung bezeichnen.

PS(3): Es gibt zwei weitere Termine: 28. und 31. Mai.

PS(4): Hallo liebes Badisches Staatstheater, wenn ihr schon dabei seid, alte Inszenierungen auszugraben, schaut doch mal, ob Robert Tannenbaums Liebestrank noch exisitiert ....

PS(5): Von der Villazón Inszenierung wird der SWR eine DVD erstellen; eine Ausstrahlung auf ARTE ist zu einem späteren Zeitpunkt (anscheinend Weihnachten 2012) geplant.

Freitag, 25. Mai 2012

Erpulat / Hillje - Verrücktes Blut, 24.05.2012

Das Magazin Der Spiegel nannte Verrücktes Blut im Herbst 2010 den "Hit der Saison" , bei dem sich die Zuschauer "bogen vor Lachen und vor Grauen". Gestern hatte Verrücktes Blut nun auch Premiere in Karlsruhe und unterhielt sein Publikum bestens. Aber es ist ein perfides Spiel, das sich der  Regisseur Dominik Günther mit seinen Zuschauern erlaubt, denn er hält ihnen einen Spiegel vor: Sage mir, an welchen Stellen du lachst, und ich sage dir, welche Vorurteile dir gefallen!

Mittwoch, 23. Mai 2012

Momo: Ballett-Ausschnitte bei Youtube

Nach der Premiere erschien mir Momo spontan als der spartenübergreifende Höhepunkt dieser Spielzeit.

Das Staatstheater zeigt Ausschnitte zum Einstimmen, unterlegt von Philip Glass' Klavierkonzert, das innerhalb des Balletts ein szenischer Höhepunkt ist:

http://www.youtube.com/watch?v=tWjrh5ZUPfE&feature=share

Freitag, 18. Mai 2012

R.I.P. Dietrich Fischer-Dieskau (*1925 †2012)

Im Gedenken an einen der seelenvollsten und ausdrucksstärksten Sänger: Dietrich Fischer-Dieskau starb 10 Tage vor seinem 87. Geburtstag.
Mit dieser unübertroffenen Interpretation werde ich ihn immer verbinden:

https://www.youtube.com/watch?v=VSTDibqXuGo&nohtml5=False

Samstag, 12. Mai 2012

Siegfried (Ballett), 11.05.2012

Auch fast sechs Monate nach der Premiere überzeugt Siegfried als einer der Höhepunkte der Spielzeit. Nicht nur ist es ein vom Ballettcorps wunderbar präsentiertes (wenn auch gestern teilweise in den Gruppenszenen etwas zu unsynchrones), spannendes und kurzweiliges Ballett, es ist auch eines der schönsten Symphoniekonzerte dieser Saison. Es ist einfach großartig, wie die Badische Staatskapelle diese groß besetzte Musik spielt und Christoph Gedschold dirigiert sie fesselnd und spannend: immer wieder weiß man nicht, ob man  zusehen oder zuhören soll; Tänzer und Musiker konkurrieren um die Aufmerksamkeit des Zuschauers. Darin liegt der Erfolg dieses Balletts: es überwältigt in seinen besten Momenten durch die gelungene Synthese von Handlung, Ausdruck und Musik. Auch gestern jubelten die Zuschauer und klatschten rhythmisch.

Freitag, 11. Mai 2012

Vorschau: Heidi Melton in Berlin

Heidi Melton -in Karlsruhe gerade nach ihren sensationellen Auftritten als Didon in Berlioz' Trojanern und Elsa in Lohengrin die große Entdeckung der Spielzeit- wird im Dezember 2012 an der Deutschen Oper in Berlin als Fata Morgana in Sergej Prokofievs Oper Die Liebe zu den drei Orangen  auftreten.

Hier mehr dazu:
http://saison12-13.deutscheoperberlin.de/de_DE/repertoire/831165

Die Liebe zu den drei Orangen wurde auch in Karlsruhe schon sehr lange nicht mehr gespielt ...

Donnerstag, 10. Mai 2012

Mozart - Don Giovanni, 09.05.2012

Wer hätte das bei der Premiere 2007 gedacht, daß gerade Robert Tannenbaums (zugegeben abwechslungsreiche und kurzweilige) Inszenierung des Don Giovanni auch nach fünf Jahren noch gespielt wird und bei der Wiederaufnahme sowie auch gestern bei der 25. Aufführung ausverkauft sein würde?

Mittwoch, 9. Mai 2012

Rückblick: Don Giovanni in Baden-Baden im Juli 2011

Wenige Stunden vor dem Besuch des Karlsruher Don Giovannis ein Rückblick auf die wirklich fabelhafte konzertante Aufführung im letzten Jahr in Baden-Baden, die hoffentlich bald auf CD erscheinen wird. Hier der damalige Eindruck:


Festspielhaus Baden-Baden: Mozart - Don Giovanni, 18.07.2011
Angekündigt wurde ganz unbescheiden ein Gala Abend mit der bestmöglichen Besetzung, der auf CD bei der Deutschen Grammophon erscheinen soll! Und es war ein großartiges Sängerfest!

Ildebrando d'Arcangelo
als Don Giovanni sang mit beeindruckend schöner und dunkler Baßstimme und passt wirklich ideal in diese Rolle. Luca Pisaroni hat ein helleres und klares Timbre und ist als Sänger und Darsteller der ideale Leporello! Beide haben eine große Bühnenpräsenz und spielten zusammen, trotz konzertanter Aufführung. In dieser Kombination ein Traumpaar, denn beide verkörpern auch Ihre Figuren.

Diana Damrau
und Joyce DiDonato sangen einfach berückend schön und beherrschten auch die Zwischentöne, beiden nahm man ihre Rollen zu jeder Zeit ab und beide wurden dem emotionalen Gehalt ihrer Arien in jeder Hinsicht gerecht.

Rolando Villazon
hat einfach eine tolle Stimme, sein Timbre hat einen unvergesslichen Erkennungswert. Ich kann nicht sagen, ob er vor ein paar Jahren besser gesungen hätte - an diesem Abend war das Publikum begeistert und hörte ihm fasziniert zu, wie er mit Stimme, Mimik und Gestik (vor allem auch mit seinen Händen) seine Rolle modellierte und seelenvoll sang! Als Don Ottavio setzt er Maßstäbe abseits der sonst üblichen Mimosenhaftigkeit, die dem Don Ottavio anhaftet.

Vitalij Kowaljow war ein überzeugender Komtur: sein Auftritt im 2.Akt ein weiterer Höhepunkt. Schwächer besetzt waren Zerlina (Mojca Erdmann) und Masetto (Konstantin Wolff), deren Stimmen im Vergleich zu obigen Stars deutlich weniger Erinnerungswert hatten.

Yannick Nézet-Séguin
dirigierte inspiriert, umwerfend gut und mit hohem Engagement: Die Tempi waren absolut stimmig, das Mahler Chamber Orchestra fehlerfrei und mit sattem Klang. Eine absolut mustergültige CD-reife Interpretation.

Don Giovanni in dieser Qualität ist eine glücklich machende, bleibende Opernerinnerung. Wenn die CD das wiedergibt, was live zu hören war, dann wird der Baden-Badener Don Giovanni zu einer Referenzaufnahme!
Wer kann, hingehen und anhören! (ingesamt 3 Aufführungen: 18.07.11 / 21.07.11 / 24.07.11)

Besetzung:
Ildebrando D'Arcangelo (Don Giovanni), Luca Pisaroni (Leporello), Diana Damrau (Donna Anna), Rolando Villazón (Don Ottavio), Joyce DiDonato (Donna Elvira), Mojca Erdmann (Zerlina), Konstantin Wolff (Masetto), Vitalij Kowaljow (Komtur).
Vocalensemble Rastatt, Einstudierung: Holger Speck
Mahler Chamber Orchestra, Dirigent: Yannick Nézet-Séguin.