Montag, 31. Dezember 2012

Rokokotheater Schwetzingen: Porpora - Polifemo, 30.12.2012

Im Schwetzinger Rokokotheater wird zur Zeit eine deutsche Erst(!)aufführung präsentiert: die Oper Polifemo von Antonio Porpora, die vor 278 Jahren uraufgeführt wurde. Für Anhänger von Barockopern lohnen die 30 Minuten Fahrt von Karlsruhe in die ehemals kurpfälzische Sommerresidenz.

Donnerstag, 20. Dezember 2012

Giselle (Ballett), 19.12.2012

Nach der Generalprobe von Giselle gab es schon genug Grund zur Vorfreude und die gestrige Vorstellung bestätigte die sehr guten Eindrücke.

Tänzerisch war gestern Bruna Andrade die herausragende Person auf der Bühne.
Sie war erst letzte Woche die strahlende Weihnachtsfee im Nußknacker und hat beide Hauptrollen in Giselle einstudiert: die Titelrolle und die unerbittliche Königin der Wilis. Gestern hatte sie einen großen Auftritt als anfangs unbekümmerte, glücklich verliebte Giselle, deren Welt dann plötzlich und schnell zusammenbricht. Im zweiten Akt gleitet sie dann  mit gespenstischer Leichtigkeit über die Bühne und verteidigt Albrecht gegen Myrtha und ihre Wilis - eine sehr ausdrucksstarke und überzeugende Leistung. Andrade hat sich über die letzten Jahre stetig gesteigert und ist seit dieser Spielzeit verdient erste Solistin geworden. Glückwunsch und Bravo!

Glückwunsch und Bravo auch an Admill Kuyler. Auch er ist seit dieser Spielzeit erster Solist und wer sich die Rolle des Albrecht in Karlsruhe nur in der Besetzung mit Flavio Salamanka vorstellen kann, der sollte sich Giselle auch noch mal mit Kuyler ansehen: die extrem schwierige Rolle mit den vielen kräftezehrenden Sprüngen ist auch mit ihm sehr gut besetzt.
Harriet Mills als Myrtha, Blythe Newman und Barbara Blanche als erste Wilis sowie Bledi Bejleri als Hillarion und die ganze Kompagnie waren die Garanten für eine sehr schöne Vorstellung. In Giselle begeistert insbesondere der zweite Teil, in dem gestern 24 verblüffend synchrone Wilis in klassischer Tanzschönheit auftreten und in dem durch atmosphärisch-effektive Lichtregie ein Paradebeispiel für nachtblaue Schauerromantik geben wird.   

Musikalisch leitete Christoph Gedschold so überzeugend, daß man ihm eigentliche alle Ballett-Aufführungen anvertrauen sollte. Er wertet den Ballettabend immer auch zu einem beeindruckenden Symphoniekonzert auf.

Die Weihnachtszeit ist für das Badische Staatstheater traditionell die Zeit ausverkaufter Vorstellungen und es ist notwendig allen Tänzern hier mal Respekt für ihre Leistungsfähigkeit zu zollen. Innerhalb von neun Tagen haben sie drei mal auf der Bühne gestanden: letzten Dienstag im Nußknacker, letzten Donnerstag in Momo und gestern in Giselle. In den neun Vorstellungen waren ca 3100 Besucher, also eine Auslastung von über 100%, da auch zahlreiche Stehplätze verkauft wurden.

Montag, 17. Dezember 2012

Schönberg - Gurrelieder, 16.12.2012

Zum 350. Orchestergeburtstag der Badischen Staatskapelle erfolgte am Wochenende ein Konzert, daß man mit ca. 350 Musikern und Sängern besetzen konnte: Schönbergs Gurrelieder - eine Kantate für Soli, Chor und Orchester. Das sechstälteste Orchester der Welt machte sich damit gestern das schönste Geburtstagsgeschenk selber, denn es war eine aufnahmereife Aufführung, bei der vielfältigste Klangfarben und Stimmungen in größtmöglicher Besetzung mit hoher Präzision beeindruckend sicher gespielt wurden.

Doch zu Beginn eine Abschweifung: Vor dem Konzert gab es zum Abschluß des Jubiläumsjahres noch 40 Minuten lang verschiedene Ansprachen, die man fast mit einer Pause vom Konzert hätte trennen können. Nach einer Begrüßung durch den Intendanten Peter Spuhler gab es mehr oder weniger interessante Grußworte von Staatssekretär Frank Mentrup (also der kommende Oberbürgermeister der Stadt Karlsruhe), Kulturbürgermeister Wolfram Jäger und Orchestervorstand Joachim Fleck.
Passend zum Jubiläum hatte man zum Glück auch jemanden gefunden, der einen "Preis" verleihen konnte. Bei aller Freude über soviel Preiswürdiges in letzter Zeit, muß man deren Wert unbedingt mal kritisch einordnen und bewerten. Die Preisverleihung „Bestes Konzertprogramm 2012/13“ des Deutschen Musikverleger-Verbands e. V. würdigt nicht das Orchester, sondern das Konzertprogramm, das laut Laudatio besonders viel zeitgenössische Musik beinhaltet (Verdienen Musikverlage nicht daran, daß zeitgenössische Musik aufgeführt wird?  Man verleiht also einen Preis an die guten Kunden?).
Man ließ sich also theoretisch feiern - wie auch bei den anderen "Preisen" in diesem Jahr. Schade - ein wenig kann man bedauern, daß das Badische Staatstheater seine "Preise" bisher nur für gute Absichten bekommen hat und nie für gute Ausführung oder Resultate.  Man muß es auch klar feststellen: in ihrer Beliebigkeit hätte man alle bisher erhaltenen "Preise" auch zu anderen Zeitpunkten in den letzten Jahrzehnten bekommen können und gleichermaßen verdient. Schon Kazushi Ono brachte viel  moderne Musik, Ulrich Wagner hat durch ein Jahrzehnt Nachtklänge und Kindermusikkonzerte ebenfalls zu diesem Preis beigetragen, der das Resultat vieler Jahre guter Arbeit in Karlsruhe ist.

Zum Konzert: 
Gegenüber Schönberg gibt es bei einigen Klassikhörern Vorbehalte, die aber bei den Gurreliedern unbegründet sind. Sie sind verhaftet in der Spätromantik (also für die einen die Krone der  opulenten Musik- und Gesamtkunstwerk-Schöpfung, für andere schwülstiger Monumentalkitsch, der zu lang und zu laut ist) und für fünf Sänger, Sprecher, 3 vierstimmige Männerchöre, achtstimmigen gemischten Chor und großes Orchester konzipiert. Es ist schwer zu entscheiden, wer bei der Premiere im Jahr 1913 (in Wien von Franz Schreker als Dirigenten uraufgeführt) bei wem Abbitte leistete: Der Dirigent gegenüber dem Publikum -immerhin hatte Schönberg durch die Uraufführung seines 2. Streichquartetts und durch Pierrot Lunaire das Publikum gegen sich aufgebracht- oder das Publikum gegenüber dem Dirigenten, denn die Gurrelieder waren damals ein umjubelter Triumph und wirken wie eine Leistungsschau des Komponisten, bei der er sein ganzes Repertoire und Können in einer Partitur verarbeitete. Im Detail steckt in den Gurrelieder viel Imposantes, Beeindruckendes und ungewöhnlicher Einfallsreichtum, doch das Gesamtwerk hat ein entscheidendes Problem: die Handlung berührt nicht und zieht die Zuhörer nur bedingt in ihren Bann.
Gestern wurden vor allem die Musiker gefeiert, die von Justin Brown sicher und souverän durch die gewaltigen Notenmassen geleitet wurden. Auch die stimmliche Besetzung war fast ideal zu nennen: John Treleaven überzeugte mit großen Kraftreserven, Heidi Melton durch ihre lyrisch-schöne Stimme, Ewa Wolak (als Waldtaube ein Höhepunkt des Abends), Matthias Wohlbrecht und Seung-Gi Jung durch ihren ausdrucksstarken Gesang und Heinz Zednik mit wohlklingender Erzählerstimme. Dazu der Karlsruher Chor, Extrachor und Extra-Extrachor aus der Partneroper im koreanischen Daegu. Ein zum Ereignis-durch-schiere-Masse stilisierter Abend

Fazit: Viel Jubel und stehende Ovationen. Die beiden ausverkauften Konzerte und die Bekenntnisse von Stadt und Land zum Badischen Staatstheater zeigen, daß man sehr gut aufgestellt ist. Man hat in Karlsruhe eines der traditionsreichsten Orchester der Welt - ein Aushängeschild für Stadt und Land, auf daß man zu Recht stolz ist.

Besetzung:
Heidi Melton: Tove
John Treleaven: Waldemar
Ewa Wolak: Waldtaube
Seung-Gi Jung: Bauer
Matthias Wohlbrecht: Klaus-Narr
Heinz Zednik: Sprecher

BADISCHE STAATSKAPELLE
BADISCHER STAATSOPERNCHOR & EXTRACHOR
Einstudierung: Ulrich Wagner
Daegu City Chorus
Einstudierung: Seoung Nam Kim

Dirigent: Justin Brown

Sonntag, 16. Dezember 2012

Delaporte/de la Patellière - Der Vorname, 15.12.2012e

Es war eine lange Durststrecke bis es gestern endlich mal wieder eine Komödie im Karlsruher Schauspiel zu sehen gab. Dabei entschied sich die Schauspielleitung nicht für Bewährtes oder Bekanntes, sondern für das Allerneuste: Die Komödie von Matthieu Delaporte und Alexandre de la Patellière (beide eigentlich Drehbuchautoren) hatte im Herbst 2010 in Paris Premiere und wurde ein sehr großer Erfolg und ist inzwischen auch verfilmt. Die deutsche Erstaufführung erfolgte gerade erst im November 2012 in Hamburg und Der Vorname ist nun wenige Wochen später auch im Studio des Badischen Staatstheaters zu sehen. Nach der Karlsruher Premiere scheinen die in der Presse kursierenden Vorschußlorbeeren für Der Vorname nicht ganz verdient.

Worum geht es?
Ein gemütliches Abendessen unter Freunden in wohlsituiertem Milieu mit akademischen Hintergrund. Vincent (Jonas Riemer) und seine schwangere Freundin Anna (Sophia Löffler) sind eingeladen bei Vincents Schwester Elisabeth (Ute Baggeröhr) und deren Ehemann Pierre (Robert Besta), der auch Vincents Jugendfreund ist. Zusätzlich ist auch Claude (Matthias Lamp) anwesend, Elisabeths Jugendfreund. Vincent erzählt, daß er seinem Sohn den Vornamen Adolphe geben will und verweist auf ein literarisches Vorbild (der Roman Adolphe von Benjamin Constant aus dem Jahr 1816), bei den anderen wird eher ein österreichischer Ursprung assoziiert und Pierre sieht es als einen faschistischen Akt mit Bekenntnischarakter. Und damit beginnen die Streitigkeiten. Im Verlauf der nächsten 100 Minuten tauen die immer wieder hitzig aufflammenden Diskussionen bisher eingefrorene Konflikte auf und man teilt sich in wechselnden Koalitionen mit, was man schon lange auf dem Herzen hatte. Dabei kommt es zu unerwarteten Wendungen.

Eine Boulevardkomödie?

Der Vorname ist eine Komödie mit ungewöhnlich langer Anlaufphase, die in Karlsruhe noch dadurch verlängert wird, daß der Regisseur das Tempo herausnimmt, indem er bspw. die Regieanweisungen der Autoren als Text sprechen lässt, textlosen Stellen Raum und Zeit gibt (z.B. ein wenig witziger Kampf mit einer Buchregalleiter) und jeder Schauspieler im Verlauf des Stückes ein französisches Lied singt. Der lange Anfang plätschert so vor sich hin. Regisseur Dominik Günther inszeniert den Vornamen also nicht als Boulevardkomödie: er setzt nicht auf Tempo und hohe Pointenfrequenz und nimmt die Figuren des Sückes teilweise sogar sehr ernst. Bestes Beispiel ist die Rolle der Elisabeth: wo man im Sinne einer Komödie eine frustrierte Ehefrau erwartet, deren Abschlußmonolog als virtuos-komischer Wutanfall inszeniert wird, bleibt sie in dieser Regie die liebevoll-chaotische und geduldige Hausfrau, deren Abschlußszene absolut gar nichts zum Lachen bietet: sie ist bitterernst und voller Frustration - die Komödie wird zum Minidrama. Ute Baggeröhr hat hier eine starke ernste Szene. Der Regisseur lässt Baggeröhr danach ein wütendes  Lied singen, um wieder die Kurve zurück Richtung Komödie zu bekommen.
Die turbulenten Stellen entwickeln sich nicht immer organisch: Um das immer wieder entschleunigte Stück in Schwung zu halten, inszeniert der Regisseuer teilweise zu stark forcierte Höhepunkte, bei denen er seine Figuren zu Karikaturen werden lässt.

Fazit:
  • Alle Schauspieler sind formidabel. Bravo!
  • Eine nette und gute Komödie, die aber nicht das Risiko eines Lachmuskelkaters birgt.
  • Ein Höhepunkt sollte in Erinnerung bleiben: Matthias Lamps Chanson wird bei einigen Gänsehaut erzeugt haben und er sollte unbedingt einen Liederabend bekommen!

PS: Ein genauerer Vergleich mit Yasmin Rezas Der Gott des Gemetzels (im Badischen Staatstheater in der Spielzeit 2007/2008, u.a. mit den großartigen Lisa Schlegel und Jörg Seyer) liegt nahe und wäre interessant. Rezas Komödie war witziger, böser und in unnachgiebigerer Haltung. Aber es gibt für Vergleiche auch ein anderes Vorbild: Edward Albees Wer hat Angst vor Virginia Woolf?, das in einer sehr guten Inszenierung 2006/2007 in der Insel zu sehen war. Der Vorname scheint dagegen die deutlich leichtgewichtigere und kalorienreduzierte Variante zu sein.

Besetzung und Team:
Elisabeth (Babou) Garaud-Larchet: Ute Baggeröhr
Pierre Garaud, Elisabeths Mann: Robert Besta
Claude Gatignol, Elisabeths Jugendfreund: Matthias Lamp
Vincent Larchet, Elisabeths Bruder, Pierres Jugendfreund: Jonas Riemer
Anna Carvati, Vincents Lebensgefährtin: Sophia Löffler

REGIE: Dominik Günther
BÜHNE & KOSTÜME: Heike Vollmer
MUSIK: Jan S. Beyer & Jörg Wockenfuß
Aus dem Französischen übersetzt von Georg Holzer

Donnerstag, 13. Dezember 2012

Birgit Keil bleibt bis 2016 Karlsruher Ballettdirektorin

Sehr gute Neuigkeiten: Birgit Keil und Vladimir Klos haben ihre Verlängerungsverträge bis zum Sommer 2016 unterschrieben. Seit 2003 leiten die beiden als Ballettdirektoren das Badische Staatsballett und haben es innerhalb weniger als eines Jahrzehnts zur Vorzeigesparte des Karlsruher Staatstheaters entwickelt.

Mehr dazu hier: http://www.staatstheater.karlsruhe.de/aktuell/news_id/148/

PS: Herzlichen Dank auch an den früheren Intendanten Achim Thorwald, der das Karlsruher Ballett nach Germinal Casados Weggang und der darauf folgenden Stagnation auf den Erfolgsweg zurückbrachte.

Mittwoch, 12. Dezember 2012

Tschaikowsky - Der Nußknacker, 11.12.2012

Auch im dritten Jahr ist Youri Vámos' Choreographie des Nußknackers als dekorreiches Weihnachtsmärchen ein Zuschauermagnet und gerade in der dunklen Jahreszeit scheinen Giselle und Nußknacker genau das richtige Programm, das man öfters und immer wieder gerne als Stimmungsaufheller präsentiert bekommt. Ständig mehr als ausverkaufte Vorstellungen (bei denen es schon schwer wird, einen guten Stehplatz zu ergattern) sprechen dafür.

Vor den Augen der Ballettdirektoren Birgit Keil und Vladimir Klos gab es eine sehr gute Aufführung, bei der einige hervorzuheben sind: wie immer und vor allem die Kindergruppe, deren Spiel- und Tanzszenen jedem ein Lächeln ins Gesicht zauberten. Beeindruckend waren gestern die Solotänzer: Flavio Salamanka (wie immer mit großer Sicherheit, Souveränität und Eleganz), Sabrina Velloso, für die die Rolle der Clara ideal erscheint, dazu Bruna Andrade als strahlende Weihnachtsfee und Admill Kuyler als anfangs mürrischer und dann glücklich geläuterter Scrooge. Vergleicht man die diesjährige Wiederaufnahme (die 25. Aufführung) mit der des letzten Jahres, fällt  Zhi Le Xu auf, der als Todesgeist deutlich an Ausstrahlung hinzugewonnen hat und der zusammen mit der gewohnt sicheren Barbara Blanche im arabischen Tanz einen starken Auftritt hat. Auch Jussara Fonseca im Tanz mit den Harlekinen hinterließ einen sehr guten Eindruck. Daß Ballett Hochleistungssport ist, war im russischen Tanz zu merken: Reginaldo Oliveira schien verletzungsbedingt gehandicapt und konnte nicht jede Bewegung ausführen. Dafür, daß er trotzdem auftrat bzw. die Zähne zusammenbiss und zu Ende tanzte: Bravo!
Der australische Dirigent Steven Moore hat von Christoph Gedschold die musikalische Leitung übernommen. 

Die Karten für die Nußknacker-Vorstellungen verkaufen sich schnell und tatsächlich kann man feststellen, daß diese Produktion das ist, was Giancarlo del Monacos Inszenierung von Puccinis La Bohème früher einmal war: eine atmosphärisch dichte Aufführung, die man einfach nicht verpassen sollte. Schon gar nicht in der Weihnachtszeit.

PS1: Nach den großen Erfolgen der Tschaikowsky-Ballette Schwanensee und Nußknacker fehlt nun eigentlich noch Dornröschen (z.B. auch in der Choreographie von Youri Vámos, bei dem die Handlung ebenfalls umgedeutet wird und die Geschichte Anastasias, der vermeintlich letzten Zarentochter erzählt wird. Aber auch Vámos' Choreographie zu Khatschaturians Spartacus wäre eine spannende Wahl für Karlsruhe).

PS2: Im Publikum waren u.a. Heidi Melton und Katharine Tier sowie Justin Brown als Zuschauer anwesend.

Sonntag, 9. Dezember 2012

Künneke - Der Vetter aus Dingsda, 08.12.2012

Auch in dieser Spielzeit gibt es wieder eine Operette. Und auch in dieser Spielzeit kann man wieder feststellen, daß man sich beim Badischen Staatstheater viel Mühe gegeben hat, um eine abwechslungsreiche und unterhaltsame Inszenierung auf die Bühne zu bringen. Und darüber hinaus muß man klar feststellen, daß Der Vetter aus Dingsda eine der besten Operettenaufführungen seit sehr langer Zeit ist. Die gestrige Premierenvorstellung war zu Recht aus vielen Gründen umjubelt.

Was ist zu hören?
Eduard Künnekes  (*1885 †1953)  bekannteste Operette erlebte ihre Uraufführung 1921 in Berlin: zu einer Zeit als der Foxtrott seinen Siegeszug antrat - und den und andere damals angesagte Tanzrhythmen hört man auch bei Künneke. Die musikalische Leitung hat man in die Hände eines Experten gelegt: Der Dirigent Florian Ziemen hatte bereits 2010 eine viel gelobte Produktion von Künnekes Operette in Bremen geleitet und gilt als Spezialist für die Partitur.  Was er gestern  aus der Partitur machte, war eine Offenbarung: "ein musikalisches Meisterwerk des Unterhaltungstheaters auf hohem satztechnischen Niveau und mit raffinierten Orchestrierungen" - der Dirigent hielt, was das Programmheft verspricht und hat eine Musizierpraxis gefunden, bei der die Musik nie seicht oder platt-sentimental klingt, sondern voller Esprit und Schwung und ohrwurmtauglicher Melodien ist. In Bremen wie auch in Karlsruhe reduzierte Ziemen das Orchester im Stile eine Tanzkapelle und hat damit alles richtig gemacht. Bravo!

Das ganze Ensemble zeigte so viel Spielfreude und Spaß, daß man alle hervorheben kann. Ina Schlingensiepen in der Hauptrolle ist sängerisch und schauspielerisch in bestechender Form, ebenso ihr Partner Sebastian Kohlhepp, der den bekanntesten Ohrwurm "Ich bin nur ein armer Wandergesell" als einen Roland-Kaiser-Gedächtnis-Schmachtfetzen zwerchfellerschütternd präsentiert. Kohlhepp wechselt in der kommenden Spielzeit ins Ensemble der Wiener Staatsoper - ein sehr bedauerlicher Verlust für Karlsruhe.
Christina Bock ist noch Mitglied des Opernstudios, doch davon war gestern nichts zu bemerken: sie sang, spielte und tanzte als Hannchen so überzeugend, als würde sie schon lange gewöhnt sein, wichtige Rollen auf der Bühne zu verkörpern.
Und wer es noch nicht wusste, welches Multitalent Rebecca Raffell ist, der kann sich davon überzeugen, daß sie nicht nur als Opern- und Operettensängerin, sondern auch als Komödienschauspielerin oder mit ihrer besonderen Stimme als (Synchron-)Sprecherin für Film, Funk und Fernsehen arbeiten kann.
Dazu der australische Bariton Andrew Finden (übrigens in sehr gutem Deutsch), Max Friedrich Schäffer (der kurzfristig für den Vater werdenden Florian Kontschak einsprang) und Routinier Hans-Jörg Weinschenk sowie zwei Gastdarsteller als Dienerpaar. An alle Sänger: Bravo!

Die 1920er im Gewand der 1960er
Das Inszenierungskonzept von Bernd Mottl zeigt laut Staatstheater die Handlung als groteske Erbschleicher-Komödie konzipiert und ästhetisch an Edgar Wallace Filme angelehnt. Der Regisseur meint im Programmheft, daß "dieser liebevoll, schmunzelnde Rückblick viel damit zu tun hat, wie wir heute auch auf Operette gucken können". Diese Einordnung ist noch der diskutabelste Punkt der Inszenierung, ohne daß man von einem Mangel sprechen kann, denn es ist weniger die Handlung oder die Bühne, die die Karlsruher Inszenierung ausmachen, sondern die ironische Stimmung, die Situationskomik und auch im positiven Sinne das richtige Maß an Klamauk. Hervorheben muß man unbedingt den Choreographen Otto Pichler, der die Sänger gekonnt und witzig tanzen lässt. Bravo!


Fazit: Operettenglück - umfassend und auf hohem Niveau. Eine schöne Komödie, großartige Sänger und vor allem musikalisch einer der seltenen Fälle, in denen Operettenmusik richtig zündet.

Besetzung und Team
Julia de Weert: Ina Schlingensiepen                
Hannchen, ihre Freundin: Christina Bock    
August Kuhbrot, der erste Fremde: Sebastian Kohlhepp     
Roderich de Weert, der zweite Fremde: Andrew Finden   
Joseph Kuhbrot: Kammersänger Hans-Jörg Weinschenk        
Wilhelmine Kuhbrot: Rebecca Raffell
Egon von Wildenhagen: Max Friedrich Schäffer
Diener Hans: Eric Rentmeister        
Diener Karl: Frank Wöhrmann

Musikalische Leitung: Florian Ziemen
Regie: Bernd Mottl
Bühne: Friedrich Eggert
Kostüme: Alfred Mayerhofer
Choreographie: Otto Pichler

Montag, 3. Dezember 2012

Stuttgarter Ballett: Romeo und Julia, 02.12.2012

Auf den Tag genau 50 Jahre nachdem am 2. Dezember 1962 in Stuttgart John Crankos Choreographie von Prokofievs Romeo und Julia Uraufführung hatte, gab es gestern Abend eine erinnerungswürdige Wiederaufnahme im Stuttgarter Staatstheater mit großen Gastnamen in den Nebenrollen. Die Karlsruher Ballettdirektoren Birgit Keil und Vladimir Klos waren als Lord und Lady Capulet auf der Bühne, Marcia Haydée (die Julia der Uraufführung) als Amme, Egon Madsen als Pater Lorenzo, Ray Barra (der Romeo der Uraufführung) als Herzog von Verona, dazu weitere frühere erste Solisten des Stuttgarter Balletts in den anderen Charakterrollen, die alle zeigten, daß man ein ganzes Leben lang Tänzer bleiben kann. Sogar den Ausstatter Jürgen Rose führte der Stuttgarter Ballettchef Reid Anderson zum Schlußapplaus auf die Bühne. Nur einer fehlte: an Richard Cragun, der im August 2012 verstarb, erinnerten während der Ouvertüre projizierte Fotos aus seinem Stuttgarter Tänzerleben.
Die Jubiläumsvorstellung hatte aber auch in den Titelrollen große Tänzer: die ausdrucksstarken Alicia Amatriain als Julia und Friedemann Vogel als Romeo verzauberten und zogen ihr Publikum geradezu spürbar in ihren Bann während ihrer faszinierenden Pas de deux. Das Stuttgarter Ballett mit seinen zahlreichen ersten Solisten glänzte an diesem Abend auch in den Nebenrollen, die alle durch starke Tänzer besetzt waren.

Man schreibt dieser Choreographie zu, daß sie das Stuttgarter Signaturwerk ist und das Genre Handlungsballett erneuerte. Seit ihrer Premiere wird sie weltweit aufgeführt. Im Badischen Staatstheater war die Choreographie von Kenneth McMillan zu sehen, die 1965 Premiere im Royal Ballet in London hatte und global noch erfolgreicher ist, in Deutschland aber lange unbekannt blieb. Im Karlsruher Ballett erfolgte 2006 dann die deutsche Erstaufführung. McMillan hatte seine Version konzipiert, nachdem er Crankos Fassung in Stuttgart gesehen hatte und ließ sich auch an einigen Stellen von ihm deutlich inspirieren. Mehr zum Vergleich Cranko - McMillan aus Stuttgarter Sicht findet sich hier auf den Seiten von www.tanznet.de.  
Birgit Keil hatte dank eines Stipendiums Stuttgart im Herbst 1962 verlassen, um ihre Ausbildung an der Royal Ballet School in London zu beenden. John Cranko machte sie im Sommer 1963 zur Solistin des Stuttgarter Balletts. Die Rolle der Julia tanzte sie in Crankos Choreographie erst einige Jahre später im März 1968 zum ersten Mal.

Fazit: Ein glanzvoller Abend für Nostalgiker und eine stimmungsreiche Geburtstagsfeier mit enthusiastischem Applaus. 

PS(1): Dirigent Wolfgang Heinz und das Staatsorchester Stuttgart hatten leider nicht ihren besten Tag erwischt.

PS(2): Liebes Badisches Staatstheater, auf die Wiederaufnahme  von McMillans Romeo und Julia in Karlsruhe freuen sich viele, auch wenn es noch bis dahin wenige Jahre dauern könnte.

BESETZUNG am 02.12.2012
JULIA  Alicia Amatriain
ROMEO  Friedemann Vogel
BENVOLIO  Marijn Rademaker
MERCUTIO  Filip Barankiewicz
TYBALT  Nikolay Godunov
FASCHINGSKÖNIG  Jason Reilly
AMME  Marcia Haydée
LADY  CAPULET Birgit Keil (a.G.)
LADY  MONTAGUE Melinda Witham
HERZOG VON VERONA  Ray Barra (a.G.)
PATER LORENZO  Egon Madsen
LORD CAPULET  Vladimir Klos (a.G.)
LORD MONTAGUE  Robert Conn (a.G.)
GRAF PARIS  Alexander Jones
ZIGEUNERINNEN Georgette Tsinguirides, Yseult Lendvai (a.G.), Sonia Santiago
ROSALINDE  Julia Krämer (a.G.)

Dienstag, 27. November 2012

3. Symphoniekonzert, 26.11.2012

Auch das 3. Symphoniekonzert war historisch: Béla Bartók war 1929 Gast in Karlsruhe und spielte in deutscher Erstaufführung seine Rhapsodie für Klavier und Orchester. Das damalige Konzert wurde von Josef Krips (*1902 †1974) dirigiert, der von 1926 bis 1933 die Badische Hofkapelle als damals jüngster GMD Deutschlands leitete.  

Da das 1929 zu Beginn erklungene zeitgenössische Konzert verschollen ist, wurde gestern das 2007 uraufgeführte Orchesterwerk La tomba di Paganini von Manfred Trojahn (*1949) gespielt, der auch persönlich anwesend war. Das Stück überraschte insofern, als daß man seine Musik, würde sie in einem Klassikradiosender gespielt, nicht unweigerlich ausschalten würde. Für zeitgenössische Klassik könnte das als ultimatives Lob gelten. La tomba di Paganini hatte das Potential, Neugierde auf weitere Werke Trojahns zu wecken. Der Komponist und seine Meisterklasse werden im März 2013 auch in einem NachtKlänge-Konzert vorgestellt.   

Es folgte die Rhapsodie für Klavier und Orchester von Béla Bartók. Das Werk aus dem Jahr 1904 entsprang dem Wunsch Bartóks, an Liszt und die ungarische Rhapsodie anzuknüpfen und ein großes virtuoses Konzert zu komponieren, in dem er selber als Pianist auftreten konnte. Obwohl es nicht seine erste Komposition war, vergab Bartók an die Rhapsodie die Opusnummer 1, um es als sein erstes reifes Werk hervorzuheben. Bartók klingt hier noch nicht wie der Bartók, den man heute kennt und der drei Klavierkonzerte komponiert hat, die mehr im Mittelpunkt stehen. Eine lange, ernste Introduktion eröffnet das kompliziert geformte Werk, in dem Bartók vielfältige Stile und Mittel zeigt und überraschende Stimmungsänderungen vollzieht.
Als Pianist hat man Benjamin Moser engagiert, der beim Tschaikowsky-Wettbewerb 2007 drei mal ausgezeichnet wurde. In Karlsruhe bewies er eindrucksvoll, daß er eine große Karriere vor sich hat. Er formte das unbekannte Stück durch sein mitreißendes und klangreiches Spiel zu einem umjubelten Erfolg. Nach den vielen Ausgrabungen der vergangenen Konzerte, ist die Rhapsodie endlich eine lohnende Wiederentdeckung. Schade, daß man davon keinen Mitschnitt angefertigt hat. Nach der deutschen Erstaufführung 1929 erfolgte gestern die uneingeschränkte Rehabilitierung als virtuoses Konzert. Spätestens nach der packenden Zugabe (der dritte Satz -Precipitato- aus Prokofjews 7. Klaviersonate B-Dur op.83) war es offensichtlich, daß man diesen Pianisten bald wieder nach Karlsruhe einladen sollte. 

Nach der Pause dann etwas Bekanntes und Beliebtes: Tschaikowskys sechste Symphonie h-Moll, die Pathétique. Allerdings stimmte die Konzeption des Dirigenten für die Symphonie nicht ganz. Das Adagio stockte gelegentlich, als ob der Dirigent mit angezogener Handbremse dirigierte. Man musste einmal fast befürchten, daß die Musik gleich stehen bliebe. Das folgende Allegro con grazia war zwar Allegro, aber nicht wirklich con grazia. Der dritte Satz gelang hingegen so überzeugend, daß einige Zuhörer die plakative Gute-Laune-Geste unweigerlich als Symphonieende betrachteten und anfingen zu klatschen. Ob das abschließende Adagio lamentoso wirklich diese Satzbezeichnung verdiente, war in Hinsicht auf das Adagio des Eingangssatzes  ebenfalls diskutabel.

Der junge Gastdirigent Francesco Angelico -aktueller Träger des Deutschen Dirigentenpreises- hinterließ einen souveränen und sympathischen Eindruck und wurde zusammen mit dem gestern großartigen Orchester mit starkem Applaus bedacht. Auffällig war die Neugruppierung der Streicher: die zweiten Violinen saßen dort, wo sonst die Cellisten sitzen, die wiederum die Bratschenplätze inne hatten. Die Violagruppe saß neben den ersten Geigern.

Insgesamt ein sehr schönes Konzert, daß viele zufriedene Besucher hatte.

Sonntag, 25. November 2012

Peter Stamm - Agnes, 24.11.2012

Soviel vorab: Agnes ist Theaterglück! Die Inszenierung im Studio glänzt mit großartigen Schauspieler: die fabelhaften Cornelia Gröschel und André Wagner, ergänzt von Stephanie Biesolt in einer Nebenrolle, bieten 100 Minuten dichte und spannende Theaterkunst, wie man sie in Karlsruhe schon seit einiger Zeit vermisst hat.

Warum Agnes?

Es ist nicht ohne weiteres ersichtlich, wieso das 1998 erschienene schmale Buch von Peter Stamm für die Bühne dramatisiert wird. Die Antwort ist dann auch einfacher als vermutet: das Premierenpublikum bestand überwiegend aus Schülern, denn Stamms Agnes wird (wie Dantons Tod im Büchner-Gedenkjahr und Max Frischs Homo Faber, das im Sandkorn-Theater gezeigt wird) zur Pflichtlektüre an Gymnasien für die aktuelle Oberstufe. Die Bestimmung zur Schullektüre verdankt Agnes seiner perfekt konstruierten Architektur: der Autor verteilt seine Informationen puzzleartig geschickt über das ganze Buch; jede Szene hat eine Bedeutung, die man zur Interpretation und Vertiefung heranziehen kann. Stamm erzählt dabei nie um des fabulierenden Erzählens Willen, sondern schrieb eine sehr gut durchdachte und ökonomisch aufgebaute Geschichte, bei der nichts dem Zufall überlassen ist und die auch zeitdiagnostisch einigen Interpretationsspielraum bietet.

Worum geht es?
Es ist die Geschichte einer Beziehung zwischen zwei Personen, die sozial nur gering vernetzt sind und bei der beide ihrem Leben eine Form gegeben haben, bei der sie ihre zwischenmenschliche Defizite durch ihre Arbeit kompensieren. Beide scheinen ihre Einzelgänger-Position als Möglichkeit zu sehen, keine fremden Erwartungen zu enttäuschen, sich von der Erwartungshaltung anderer zu befreien und Konflikte aus dem Weg zu gehen. Agnes -eine an ihrer Dissertation schreibende Physikerin- lernt den namenlosen Ich-Erzähler -einen schweizer Sachbuchautor, der ein Werk über Luxuseisenbahnwagen schreiben will- in einer Bibliothek in Chicago kennen. Durch Zufall kommen sie sich näher, trennen sich in einer Krise, kommen wieder zusammen und erleben doch kein Happy End. Das Ende ist im Buch von Anfang an bekannt, trotzdem ist das Warum bis zum Schluß unklar und hält die Spannung im Buch aufrecht. In dem ruhigen, unspektakulären und beziehungsreichen Text erschließen sich die Verknüpfungen nicht unbedingt sofort beim ersten Lesen, sondern sind erst rückblickend richtig einzuordnen.

Nur eine Liebesgeschichte?
Trotz der vielen Schüler bei der Premiere sollte nicht daß Mißverständnis aufkommen, daß Peter Stamm einen Jugendroman geschrieben hat. Agnes ist nicht nur einfach eine unglücklich endende Liebesgeschichte, sondern auch eine seelische Kostümstudie. Wie sich die Bekleidungsmode ändert, Stil und Geschmack einem stetigen Wandel unterzogen sind (man denke nur an freizügige Zeiten, in denen das offene Cabrio der bevorzugte PKW war und vergleiche die schutzbietenden, bullig-überbreiten Allradautos, die der heutigen, sich abschottenden und rücksichtsloseren Krisen-Mentalität entsprechen), so folgt auch die Liebe den Mustern ihrer Epoche. Gerade die Literaturgattung des Romans war lange Lern- und Orientierungsmedium in Liebesangelegenheiten: bei Goethes Werther wird Liebe erleidet,  bei Jane Austen ist die Ehe noch vernunftgesteuerte Versorgungsgemeinschaft. Die Liebe wurde später romantisch überfrachtet und der Partner zum einzigartigen Individuum und Traumprinzen, wahre Liebe wurde spontan und schicksalsträchtig, die Ehebegründung änderte sich zum Liebesbeweis. Die Paarbildung ist inzwischen autonom, ihre Voraussetzungen liegen nicht mehr außerhalb der Partnerschaft, sondern werden in der Regel durch sexuelle Beziehungen erzeugt. Ob also damals  Madame Bovary oder Effi Briest oder heute Monika Marons Animal triste, Dieter Wellershoffs Der Liebeswunsch oder Peter Stamms Agnes: diese Bücher zeigen auch, wie sich die Semantik der Liebe durch gesellschaftlichen Wandel ändert.
 
In Agnes werden Individualismus und Subjektivität zu Schlüsselphänomenen der Jahrtausendwende. Der Roman  zeigt Figuren, die nur noch marginal in ein soziales Ganzes eingefügt sind oder Anschluß daran suchen. Ihr Leben ist kein Teilhaben und Teilnehmen, sondern eher eine Form der Teilnahmeverweigerung: die Mitwelt wird zum bedeutungslosen Hintergrund.  Die Partnerbeziehung ist der Ort eines Zusammenstehens gegen die Welt: Agnes und der Ich-Erzähler schaffen sich diese Zweierwelt, bei der keiner am sozialen Leben des anderen aktiv teilnimmt und keine gemeinschaftlichen Kontakte mit Freunden oder Familien bestehen. Ihre Liebesbeziehung ist losgelöst und zweipolig, andere Personen erscheinen darin als Störung. Die Figuren können bei unterschiedlichsten Aktivitäten in Beruf und Freizeit keinen inneren Zusammenhang mehr herstellen: ihr Leben ist fragmentarisiert.  

Der Beziehungsversuch scheitert und auch darin ist Agnes exemplarisch auf der soziologischen Höhe der Zeit. Eine funktionierende Beziehung fordert heute in der Regel wechselseitige Komplettanerkennung, uneingeschränktes Verständnis und eine sehr hohe Aufmerksamkeit zweiter Ordnung: man muß situationsbedingt erahnen, was der Partner erwartet. Beziehungen scheitern an Überanspruchung oder am Nichtertragenkönnen von Routine und an fehlender Relevanz und Anerkennung. Die Krisen in der Beziehung zwischen Agnes und dem  Ich-Erzähler entstehen durch nicht erfüllte Erwartungen an den Partner, da beide nicht direkt miteinander über ihre Wünsche und Vorstellungen sprechen können. Das Ende des Buchs wird zum Kommentar: Der Ich-Erzähler entscheidet sich für die Fortführung der Folgenlosigkeit seines Lebens (dazu passt seine Namenslosigkeit im Buch), Agnes resigniert angesichts seiner Liebesunfähigkeit und der unterbliebenen Sinnstiftung eines gemeinsamen Kindes. 

Was passiert auf der Bühne? 

Regisseur Christian Papke kopiert nicht buchstabengetreu Stamms Roman, sondern entwickelt seine eigene Vorstellungen, die aber den Absichten des Autors nicht widersprechen. Wer das Buch kennt, erkennt die Szenen wieder, auch wenn sie nicht in der Reihenfolge des Buches erzählt werden. Papke hat dabei seine Zielgruppe stets im Blick und einige Einfälle zielen klar auf die zukünftigen Abiturienten. Dennoch ist seine Inszenierung kein Schülertheater, sondern junges und zeitgemäßes Schauspiel, das sich auf die Liebesgeschichte konzentriert. Man kann nur hoffen, daß Agnes von vielen Zuschauergruppen den Zuspruch bekommt, den es verdient. Die komplette Produktion ist sehr gut gemacht - die anfangs leere Bühne füllt sich schnell im Verlauf der Liebesbeziehung und leert sich wieder gegen Ende und wird ergänzt durch Videoeinspielungen, Lichteffekte und Musik sowie wechselnde Kostüme - kurz: alles ist einfallsreich, variabel und stimmig.

Endlich stehen mal wieder die Schauspieler im Mittelpunkt - sie sind die Stars des Abends.
Für Cornelia Gröschel ist Agnes eine Hauptrolle, mit der sie sich in die Herzen des Publikums spielen wird.
Frisch verliebt oder in tiefer Depression, voller Energie oder in lähmender Angst - sie spielt ihre Entwicklung glaubhaft und mit großer Intensität. André Wagner ist in Karlsruhe etablierter Hauptrollendarsteller und bewies auch gestern sehr eindrucksvoll seine Vielseitigkeit beim Spagat zwischen Liebeswunsch und Unabhängigkeitsdrang. Dazu die junge Stephanie Biesolt mit einem starken und überraschenden Auftritt in der kleinen Rolle als Louise. An alle drei: BRAVO!

Fazit: Agnes wäre auch zu besten Zeiten des letzten Schauspieldirektors Knut Weber ein Erfolg gewesen, wenn  -ja ,wenn es damals eine so tolle Schauspielerin wie Cornelia Gröschel im Ensemble gegeben hätte! Sie ist das Herzstück dieser sehenswerten Bühnenfassung.

PS(1): Für welchen Zuschauer taugt Agnes? Es handelt sich um eine unglückliche Liebesgeschichte, die für ein Publikum inszeniert ist, das im Durchschnitt ca 17 Jahre alt ist. Es ist eine persönliche Genre-Entscheidung, ob man sich in diesem Zielgruppenumfeld wohl fühlt. Mehr dazu bei untenstehendem Kommentar.

Team & Besetzung
Agnes: Cornelia Gröschel
Schriftsteller: André Wagner
Louise: Stephanie Biesolt
Regie: Christian Papke
Bühne & Kostüme: Alois Gallé
Ausstattungsmitarbeit: Viktoria Strikić
Musik: Georg Luksch

Freitag, 23. November 2012

Büchner - Dantons Tod, 22.11.2012

Um der gestrigen Premiere von Büchners Dantons Tod gerecht zu werden, muß man zweierlei Maß anlegen. Als regelmäßiger Schauspielbesucher wird man die Inszenierung dürftig, einfallslos und belanglos finden, ABER: die Zielgruppe dieser Produktion ist auch speziell - Büchners Text ist aktuell Pflichtlektüre für die gymnasiale Oberstufe. Die Inszenierung richtet sich an Schüler und will den Text verständlich aufbereiten. "Dabei wird" -laut Staatstheater- "ein Schwerpunkt auf die originale Sprache Büchners und seine Auseinandersetzung mit der Rhetorik der Revolution gelegt". Ob Dantons Tod also gelungen ist, müssen Schüler und Pädagogen beurteilen. Für ein kundiges Publikum ist der Abend zwar auf harmlose Art unterhaltend, allerdings nur mit ziemlich schwacher Aussage.

Montag, 19. November 2012

Karlsruher Ballett wird STAATSBALLETT

Eine sehr schöne Auszeichnung für Birgit Keil, Vladimir Klos und ihre Tänzer: Die Ballettcompagnie des Badischen Staatstheaters darf sich jetzt BADISCHES STAATSBALLETT KARLSRUHE nennen.
Welche Folgen die Auszeichnung hat, wird nicht beschrieben, aber mehr Geld für die Sparte wäre sicherlich verdient.

Mehr dazu hier:
http://www.staatstheater.karlsruhe.de/aktuell/news_id/98/

Freitag, 16. November 2012

Giselle (Ballett), Generalprobe am 15.11.2012

Da ich bei der Wiederaufnahmen-Premiere von Giselle am 17.11.2012 verhindert bin, war ich umso dankbarer für das Angebot, die Generalprobe zu besuchen. Vielen Dank an den Verantwortlichen und die Gesellschaft der Freunde des Badischen Staatstheaters!

Die gestrige Generalprobe zeigte, daß man sich Giselle  in neuer Besetzung nicht entgehen lassen sollte! Die Choreographie von Peter Wright stammt aus dem Jahr 1965 und hatte ihre Uraufführung durch das Stuttgarter Ballett (im gleichen Jahr war dort auch Onegin von John Cranko zu sehen). Birgit Keil war 21 Jahre alt, als sie 1966 in Giselle debütierte. Sie tanzte zuerst die Königin der Wilis im März 1966 (bei der Generalprobe hatte sie sich schmerzhaft am Steißbein verletzt und tanzte dennoch), im Juni 1966 erfolgte dann auch ihr Debut als Giselle. 

2013 ist Birgit Keil 10 Jahre als  Ballettdirektorin am Badischen Staatstheater. In ihrem zweiten Jahr war Giselle im Dezember 2004 ihr abendfüllendes Handlungsballett für Karlsruhe - damals mit Anaïs Chalendard als Giselle, Emmanuelle Heyer als Königin der Wilis und Flavio Salamanka als Graf Albrecht. Salamanka ist bekanntermaßen seit langer Zeit Publikumsliebling und erster Solist und tanzt auch diese Spielzeit als Albrecht.

Die Kontinuität des Karlsruher Ballettcorps erkennt man, wenn man liest, wer 2004 als Gruppentänzer und als Studenten der Akademie des Tanzes dabei waren: Blythe Newman (die als Momo begeisterte) und Bruna Andrade (diese Spielzeit als Königin der Wilis) - beide sind seit dieser Spielzeit erste Solistinnen. Barbara Blanche, Elisiane Büchele (die Giselle dieser Wiederaufnahme), Patricia Namba, Sabrina Velloso und Arman Aslizadyan (alle fünf inzwischen Solisten) sowie bspw. Jussara FonsecaXue Dong und Ronaldo dos Santos. Also lauter Tänzer, die heute noch in Karlsruhe sind und die durch Birgit Keil ihre Tänzerkarriere hier erfolgreich weiterentwickelt haben. Die Wiederaufnahme von Giselle ist in diesem Jahr also einerseits ein Beweis der eigenen Stärke und auch ein Schaulaufen für möglicherweise nachrückende Tänzer der Mannheimer Akademie des Tanzes.

Giselle -die Geschichte einer Liebe, die größer ist als der Tod- besteht aus zwei atmosphärisch unterschiedlichen Akten. Besonders der zweite (Geister-)Akt, in dem die Wilis auf Befehl ihrer Königin Rache an Albrecht nehmen sollen und er von Giselle bis zum Morgengrauen verteidigt wird, erinnert an Schwanensee und steht ihm an Spannung und Dramatik in nichts nach. Hervorzuheben ist, daß man im zweiten Akt 30 Tänzer auf der Bühne hat: 2 männliche (F. Salamanka, B. Bejleri) und 28(!) Tänzerinnen, davon 24 Gruppentänzerinnen. Diese schiere Vielzahl ist nur durch die Kooperation mit Keils Akademie des Tanzes möglich und kann so nur von sehr wenigen Bühnen gezeigt werden.

Christoph Gedschold dirigierte die Partitur von Adolphe Adam und gestern konnte man bereits erahnen, daß Giselle wieder beides ist: Ballettklassiker und Konzerterlebnis.

Hervorheben muß man auch Ausstatter Michael Scott. Was hat er nicht für zeitlose, schöne und in Erinnerung bleibende Bühnenbilder und Kostüme in Karlsruhe geschaffen: beispielsweise La Bohème, Madama Butterfly und Lucia di Lammermoor für die Oper, Anna Karenina, Romeo und Julia und Der Nussknacker im Ballett.

Mittwoch, 7. November 2012

Zu den Ergebnissen der Publikumsumfrage

Der gute Stil der Intendanz des Badischen Staatstheaters zeigt sich beispielsweise daran, daß stärker als früher der Dialog mit den Zuschauern gesucht wird. Die Besucherstudie, die von Juni 2011 bis Juli 2012 in insgesamt drei Erhebungen mit knapp über 2500 Teilnehmern vom Institut für Kultur- und Medienmanagement der Freien Universität Berlin durchgeführt wurde, ist nun veröffentlicht worden. Die komplette 91-seitige Studie als pdf-Datei befindet sich zur Zeit hier auf den Seiten den Badischen Staatstheaters.  

Samstag, 3. November 2012

Bizet - Carmen, 03.11.2012

Diese Carmen war vor 10 Jahren im November 2002 die erste Opernpremiere des damaligen neuen Intendanten Achim Thorwald bei der er in Karlsruhe auch selber Regie führte. Die Produktion zeigte bereits alles, was den Regisseur Thorwald in den folgenden Jahren kennzeichnen sollte: verlässliche Inszenierungen, die sich nie in den Vordergrund drängen. Nun wurde die beliebte und oft gezeigte Carmen  wieder auf den Spielplan genommen: in fast durchgängig neuer Besetzung - und auch bei der 40. Aufführung wurde sie vor ausverkauftem Haus zum Erfolg und vom Publikum dankbar beklatscht. Der anwesende Achim Thorwald kam beim Schlußapplaus ebenfalls auf die Bühne.

Donnerstag, 25. Oktober 2012

Delius - Romeo und Julia auf dem Dorfe, 24.10.2012

Romeo und Julia auf dem Dorfe ist in der Karlsruher Inszenierung ein sehr schöner Erfolg für das Badische Staatstheater. Letzte Spielzeit hatte Delius' Oper nach verhaltenem Start eine gute Besucherauslastung - ein Zeichen dafür, daß die Mund-zu-Mund-Werbung in Karlsruhe sehr gut funktioniert. Nur noch drei Termine sind in dieser Spielzeit angesetzt (Freitag, 02.11.12 / Donnerstag, 08.11.12 / Sonntag, 30.12.12), die alle nutzen sollten, um das Werk kennenzulernen oder noch mal zu hören.

Das besondere an Delius' Musik ist eine anschauend-impressionistische Haltung, die nicht durch Licht-und-Schatten Beleuchtung ihre dramatische Tiefe erhält, sondern zurückhaltend den Hörer einlädt und ihn nur selten überwältigen will. Der Gesang ist nicht stilisiert, sondern diskret und deklamierend. Es ist das menschliche Maß der Oper, das nicht vorrangig auf Effekte setzt und das traurige Ende nicht musikdramatisch überhöht, das dem Werk seinen noblen Charakter gibt. Delius geht mit Romeo und Julia auf dem Dorfe seinen eigenen, originellen und besonderen Weg, denn man dann erkennt, wenn man sich vorstellt, was die musikalischen Großdramatiker des späten 19. Jahrhunderts oder die Komponisten des Verismo aus ähnlichen Szenen gemacht haben.

Die gestrige Vorstellung bestätigte die bisherigen positiven Eindrücke. Ekaterina Isachenko war schon zuvor in der Rolle sehr positiv aufgefallen und ergänzt sich sängerisch und auf der Bühne sehr gut mit Carsten Süss. Süss ließ zwar eine Beeinträchtigung durch eine Erkältung ansagen, aber auch leicht geschwächt klingt er noch gut. Der schwarze Geiger -die profilierteste Figur der Oper- ist eine Milieugestalt und wird von den beiden in dieser Rolle alternierenden Sänger diametral interpretiert. Armin Kolarzcyk ist der helle Verführer, der dem Liebespaar einen Ausweg bietet, Gabriel Urrutia Benet, der gestern sang, ist mehr der dunkle Realist, der ihnen illusionslos eine Alternative vorschlägt.

Ein Erfolg für alle Beteiligten und eine sehr schöne Produktion. Die für Opern-Fans spannende Reihe der unbekannten Meisterwerke wird diese Spielzeit mit Benjamin Brittens beliebtester (und gar nicht so unbekannter) Oper Peter Grimes fortgesetzt. Mal schauen, was in den folgenden Jahren kommen wird.

Sonntag, 21. Oktober 2012

2. Symphoniekonzert, 21.10.2012

Das zweite Symphoniekonzert war aus verschiedenen Gründen etwas Besonderes: Es war ein historisches Konzert, das ein Programm wiederholte, daß Richard Strauss (der zwischen 1900 und 1924 mehrfach als Gast die Badische Hofkapelle leitete) im Mai 1908 selber in Karlsruhe dirigiert hatte. Und man muß zugeben, daß es auch heute noch lauter gern gehörte, wirkungsvolle Kompositionen enthält. Man kann sogar sagen, daß es aufgrund der Stückauswahl ein Höhepunkt der Konzertsaison ist, denn es sind lauter Kompositionen die transzendent-überhöhend oder verklärend sind oder sogar in Triumph und Freude enden.
Als Gastdirigent hatte man dafür Christof Prick engagiert, der von 1977 bis 1986 Generalmusikdirektor am Badischen Staatstheater war und immer noch einen hervorragenden Ruf beim Publikum genießt und in Karlsruhe in seiner Zeit sehr viel Strauss und Wagner, Mahler und Bruckner dirigierte. Heute sind noch zwölf Orchestermitglieder übrig, die ihn als GMD erlebt haben.

Die Rahmenbedingungen waren also überaus attraktiv und die Wirkung blieb nicht aus. Prick zeigte, was ihn in Karlsruhe so populär machte: es war ein fesselndes und begeisterndes Konzert.

Carl Maria von Webers Ouvertüre zu seiner letzten Oper Oberon, uraufgeführt 1826 in London, ist  instrumental -wie die ganze Oper- der Versuch, daß missratene Libretto musikalisch zu retten und stellt eine idealtypische Opernouvertüre dar, die den Geist des Werks zusammenfasst. Eine schöne Geste des Dirigenten: er gönnte dem neuen Solo-Hornist Dominik Zinsstag einen Einzelapplaus. Danach folgte Musikmagie - der Karfreitagszauber aus Richard Wagners Parsifal wurde klangsinnlich und ruhig dargeboten. Danach ein berühmtes Werk von Richard Strauss: Tod und Verklärung beginnt mit den letzten Herzschlägen eines Sterbenden und endet mit der Apotheose - eine Tondichtung, deren Thema vom Komponisten eingängig und sinnfällig dargestellt wird. Orchester und Dirigent wurden mit viel Applaus vom Publikum in die Pause geschickt.
Über Ludwig van Beethovens fünfte Symphonie ist alles gesagt: vom unvergesslichen Auftakt des bangen Klopfens bis zum überbordenden Finale - eine in c-moll beginnende Reise, die in triumphalen C-Dur endet. Christof Prick dirigierte sie bereits im März 1979 in Karlsruhe und die Neuauflage nach 33 Jahren ließ keine Alterserscheinungen erkennen. Es war eine mustergültige Interpretation, bei der man bedauern kann, daß davon keine Aufnahme gemacht wurde. Man könnte viele andere Einspielungen im CD-Schrank dafür entsorgen.

Die Badische Staatskapelle war in ausgezeichneter Form und Christof Prick dirigierte souverän mit klaren Ansagen und aus dem Gedächtnis, ohne Partitur und Pult.

Das Karlsruher Konzertpublikum weiß, was es zu hören gilt. Die Eintrittskarten für beide Konzerte waren schnell vergriffen. Ein sehr schönes Konzert am Sonntagmorgen, das sein zufriedenes und glückliches Publikum in einen zum Konzert klimatisch passenden 21. Oktober mit Sonnenschein und über 20 Grad Celsius entließ.

PS: Die von Strauss 1908 festgelegte Reihenfolge wurde modifiziert. Ursprünglich sah das Programm folgendermaßen aus:
Carl Maria von Weber Oberon-Ouvertüre
Ludwig van Beethoven Sinfonie Nr. 5 c-Moll
-Pause-
Richard Wagner Karfreitagszauber
Richard Strauss Tod und Verklärung

Tschechow - Die Möwe, 20.10.2012

Leider vorab eine Warnung: Die Möwe ist eine von jenen überflüssigen Inszenierungen, auf die man als Zuschauer rückblickend lieber verzichtet hätte. Theater zum Abgewöhnen. Als regelmäßiger Schauspiel-Besucher (und auch als Tschechow-Leser) blutet einem bei dieser Produktion das Herz. Es gibt so viele schwache und misslungene Momente, Szenen, die bis an die Grenze erträglicher Langeweile zerdehnt sind, sinnschwache Einfälle und altmodische Humor-Versuche, daß man bei den vielen Unzulänglichkeiten kaum weiß, wo man rekapitulierend beginnen soll.

Worum geht es?
 
Adornos Satz "Es gibt kein richtiges Leben im falschen" könnte auf die Figuren in Tschechows Möwe gemünzt sein. Es geht um unglücklich Liebende und hoffnungslos Hoffende. Es passiert wenig, aber es gibt einige Handlungsstränge. Hier vier davon:
- Medwenko liebt Mascha, Mascha liebt Kostja, Kostja liebt Nina, Nina liebt Trigorin und Trigorin liebt niemanden, hat aber mit Irina Arkadina (Kostjas Mutter) eine Geliebte.
- Kostja schreibt Theaterstücke und will Autor werden, leidet aber unter seiner egozentrischen Mutter (einer alternden Schauspielerin), die ihn für einen Versager hält. Er kämpft um Anerkennung, fühlt sich aber unverstanden. Er liebt die falsche Frau, ist am falschen Ort, hat die falsche Mutter und kein Geld.
- Kostja liebt Nina, doch die lässt sich von Trigorin schwängern, der sie sitzen lässt. Auch im vierten Akt, der zwei Jahre nach den ersten drei spielt, kann sie in Kostja nur einen Freund sehen. Kostja, inzwischen zwar ein anerkannter Autor, kann die wiederholt abgewiesene Liebe nicht verkraften und begeht Selbstmord.
- Polina, die Frau des Gutsverwalters Schamrajew, liebt den Arzt Dorn, hatte auch eine heimliche Affäre mit ihm und eine Tochter (Mascha), die der senile Gutsverwalter Schamrajew unwissentlich als sein Kind betrachtet. Dorn liebt aber Irina Arkadina.

Wie immer bei Tschechow ist die Gesellschaft, die sich an an warmen Sommerabenden trifft, eine Krisengesellschaft: sie sitzen in der Falle. Die Figuren suchen nach Auswegen und Sinn und scheitern an ihren verfehlten Wünschen. Die Hauptpersonen sind und bleiben unglücklich: sie wissen nichts davon oder ahnen es nur, daß geglücktes Leben immer auch ein Dennoch und Trotzdem enthält.

Was ist zu beachten? 
Im Programmheft wird Tschechow treffend als Chronist der Überforderung bezeichnet. Tschechows Werke waren stilbildend: sie zeigen moderne Menschen, die gegen ihre Unsicherheit und  gegen ungewisse Verhältnisse anreden und eine Sehnsucht in sich tragen: nach Sicherheit und Gewissheit, nach sinnstiftenden Tatsachen und einem Lebensmittelpunkt.  Im Theater benötigen sie Inszenierungen, die die doppelten Böden und und Zwischentöne des Werks zutage treten lassen und Schauspieler, bei denen jeder Tonfall, jede Nuance des Textes passen und sitzen muß. Tschechows Möwe -wie alle seine Werke- beruht auch auf einer gewissen Stimmung aus Melancholie und Vergeblichkeit, aber auch aus Lebenszugewandheit und Freundlichkeit: man muß sie spüren können, um die Stücke zu erfassen. Nichts davon ist in Karlsruhe zu merken, ganz im Gegenteil: Tschechows Text wird verödet und nie eine Balance erreicht. Die neue Inszenierung zeigt einseitig hysterisch Verzweifelte, denen jede Form von Subtilität ausgetrieben wurde; eine Ansammlung von experimentellen Kunstfiguren ohne Identifizierungspotential, die gelegentlich erahnen lassen, wie viel mehr an Interpretationspotential vorhanden wäre.

Für die Akteure auf der Bühne ergeben sich Chancen und Risiken: Jede Tschechow'sche Figur ist ein Typ, aus der man etwas machen kann. Die Schauspieler müssen von Anfang an Stimmungen transportieren: die Dialoge und Monologe sind ein intimes Bangen, Verzweifeln oder Hoffen. Wenn die psychologische Feinzeichnung nicht gelingt, erreicht man bei Tschechow schnell den Zustand der Oberflächenversiegelung: zum Publikum dringt dann nichts mehr durch. Genau das passierte gestern - doch lag es in der Verantwortung des Regisseurs, daß das Potential der Schauspieler nicht ausgereizt wurde und der Text nicht zum Leben erweckt wurde. Jeder muß zu wenig aus seiner Rolle machen und darf vorrangig schnell verzweifeln. Es gab keinen schauspielerisch starken Moment, sondern nur grob gezeichnete Interpretationen ohne doppelten Boden. Die Distanz zum Bühnengeschehen wird dadurch verstärkt.

Eine Komödie? 
Tschechow, der chronisch krank war und im Alter von 44 Jahren im südbadischen Kurort Badenweiler an Tuberkulose starb, lebte gezwungenermaßen ständig im  Dennoch-Trotzdem Modus und musste seinem prekären Gesundheitszustand seine großen Werke abringen. Er nannte Die Möwe eine Komödie. Der Hauptdarsteller begeht am Ende Selbstmord, das Stück endet im Unglück - warum also eine Komödie? Alles Einseitige und Unbedingte ist durchweg und ausnahmslos lachhaft und lächerlich! Tschechows Figuren sind eindimensional und dadurch komisch. Man spricht und spielt falsch, man hofft und liebt falsch. Tschechow zeigt mißlungenes, vergeudetes und vergebliches Leben. Man wünscht sich wie das Metaphern-Tier Möwe frei und ungebunden zu sein, doch sind die Figuren durch sich selbst gebunden und gefesselt und können aus ihren selbst gezimmerten Käfigen nicht heraus. Wenn Fichtes Satz, daß das vernünftige Wesen nicht zum Lastträger bestimmt ist zutrifft, dann zeigt Tschechow unvernünftige Wesen, über die man lachen darf. Der grausame Humor liegt in der Sinnlosigkeit ihres Handelns, Sterbens und im Weiterlebenmüssens. Die Möwe ist also laut Tschechow kein Drama, auch wenn es genug Ansätze dafür gibt, und jede Inszenierung macht es sich zu einfach, wenn sie nur um das deprimierende Unglück der Figuren kreisen würde und die Aspekte der Typenkomödie negiert. Doch die gestrigen hilflosen Versuche durch Typenklamauk lustig zu sein, enttäuschten stark. Auf der Bühne gab es eine wenig subtile und sehr grobe Komik und altmodische Slapstick-Einlagen, wie man sie vor über 30 Jahren im deutschen Fernsehen sah und die so gar nicht zum Rest der Geschichte passen wollte. In Großbritannien gilt  Deutscher Humor als Oxymoron, also als etwas, das einen inneren Widerspruch beinhaltet. Seit letzter Spielzeit scheint das Karlsruher Schauspiel öfters angetreten, diesen Widerspruch aufzuzeigen und auch der gestrige Abend war dazu angetan, Dramaturgie und Regie zur Humor-Ausbildung nach England zu verfrachten.

Was wird gezeigt?
  
Der junge Regisseur Jan-Christoph Gockel (*1982) sieht die Möwe als ein Psycho-Horror-Drama einer kaputten Mutter-Sohn Beziehung mit Figuren aus dem psychologischen Kuriostätenkabinett. Er nimmt die Rolle des unglücklichen Sohnes also bitterernst und treibt sie ins psychologische Extrem. Alle Figuren sind bei ihm zu einseitig, so daß die Urlaubsgesellschaft auf der Bühne unheimliche Züge bekommt. Grundsätzlich ist das nach dem oben gesagten durchaus ein legitimer Ansatz, der dann aber daran scheitert, daß die Möwe zu stark gegen den Strich gebürstet wird und man keinen Zugang mehr zur Personen-Komödie fand und zum oberflächlichen Situationsklamauk auswich.
Als Regisseur oder Dramaturg hat man es heute offensichtlich schwer. Man steht ständig unter der Doppelanforderung kreativ zu sein, etwas Neues und Originelles auf die Bühne zu bringen, aber gleichzeitig den Inhalt und den Geist eines Stückes und die Erwartungen eines Publikums zu erfüllen. Auch in Karlsruhe suchte man wohl nach einer Idee, Tschechows Möwe auf ungewöhnliche Weise zu inszenieren und hatte den Einfall, die Rolle des Kostja von zwei Schauspielern spielen zu lassen. Wieso? Man hatte wohl beim Lesen den Verdachtsmoment gefunden, daß zwei Herzen in seiner Brust schlagen, die des um Anerkennung kämpfenden Autors und die des unglücklich Verliebten und diese Doppelanforderung an einen Schauspieler zu stellen, die eigentlich den Reiz ausmacht, ist nun auf zwei Personen verteilt. Das funktioniert grundsätzlich gut - das Konzept der Doppelbesetzung stört nicht, bringt aber auch nichts Neues und nutzt sich schnell ab. Man kann nur hoffen, daß das nicht der Mode-Kunstgriff der Zukunft ist.
Arkadinas Bruder -der Gutsbesitzer Sorin- ist in dieser Inszenierung gestrichen und wird durch einen namenlosen alten Gutsbesitzer ersetzt. Eine wichtige Bezugsperson geht also verloren, einen Mehrwert ist bei dieser neuen Konstellation leider ebenfalls  nicht zu finden.
Der Schriftsteller Trigorin ist charmant, erfolgreich, will eigentlich seine Ruhe und nur angeln. Laut Tschechow ist er noch keine vierzig, wird aber in Karlsruhe von einem Schauspieler dargestellt, der auf die sechzig zugeht. Damit ergibt sich für die Zuneigung Ninas zu Trigorin eine seltsame Konstellation: ihre Anhänglichkeit an einen Mann, der ihr Großvater sein könnte, irritiert. Man fragt sich unweigerlich, was Nina an ihm findet und wieso der Regisseur diese Besetzung wünschte. Ob die Demütigung für Kostja größer ist, wenn Nina statt eines erfolgreichen Mannes einen Greis liebt, ist nicht erkennbar. Auch Arkadinas Liebe zu Trigorin verliert dabei ihre Glaubwürdigkeit.
Tschechows Text ist zudem umgestellt, teilweise neu montiert und wird immer wieder durch nicht-Tschechowschen Text ergänzt: es ergibt sich ein inhomogenes Ganzes, dem die Tschechowsche Atmosphäre abhanden kommt.

Fazit: Eine große Enttäuschung und in keiner Hinsicht empfehlenswert. Statt vergeudetem Leben auf der Bühne wird die Lebenszeit des Publikums vergeudet. Eine langweilige Inszenierung mit aufdringlichen Momenten, die das Potential der Tschechowschen Figuren nicht ausreizt und deren unorigineller Retro-Klamauk langvergangener früherer Jahrzehnte wie ein Fremdkörper wirkt.

PS(1): Die letzte Inszenierung der Möwe hinterließ einen besseren Eindruck (1996 in der Regie von Istvan Bödy mit Friedhelm Becker als Schamrajew und Michael Rademacher als Dr. Dorn). Einige erinnern sich vielleicht noch an die meines Erachtens schönste Tschechow-Inszenierung der letzten zwei Jahrzehnte: Platonow (2006 in der großartigen Regie von Albert Lang) hatte unvergessliche Momente. Aber auch Drei Schwestern (Spielzeit 2000, Regie: Peter Hatházy und  zuvor 1989, Regie: Istvan Bödy) hatte starke Szenen. Im Vergleich zu diesen beiden fiel der Kirschgarten (2010) deutlich ab, der trotz sehr guter Schauspieler inszenatorisch nicht funktionierte. Die neue Möwe ist in dieser Reihe die schwächste Inszenierung.

PS(2): Die Möwe wird auch als Silvester-Vorstellung das Jahr beenden. Na dann guten Rutsch, 2013 kann damit nur besser werden. Vielleicht kann man ja beim Badischen Staatstheater noch umdisponieren und die Studio-Produktion Der Vorname ins Kleine Haus verfrachten. Diese Möwe wird kein Publikumserfolg, sondern wird eher Publikum abschrecken.

TIPP:
Wer in der ersten Reihe sitzt, sollte Handtücher mitnehmen oder wasserfeste Bekleidung anziehen. Es kann sehr naß werden.

PS(3): Das Bühnenbild ist übrigens einfallsreich, aber in den obigen Betrachtungen nicht berücksichtigt.

BESETZUNG und TEAM:
Irina Nikolajewna Arkadina: Ute Baggeröhr
Konstantin Gawrilowitsch Trepljew (Kostja): Thomas Halle / Matthias Lamp
Nina Michajlowana Saretschnaja: Sophia Löffler
Ilja Afanasjewitsch Schamrajew (Gutsverwalter): Klaus Cofalka-Adami
Mascha, seine Tochter: Cornelia Gröschel
Polina Andrejewna, seine Frau: Lisa Schlegel
Boris Alexejewitsch Trigorin: Ronald Funke
Jewgenij Sergejewitsch Dorn (Arzt): André Wagner
Semjon Semjonowitsch Medwedenko: Michel Brandt
Ein alter Mann: Kurt Meyer 

REGIE Jan-Christoph Gockel
BÜHNE Julia Kurzweg
KOSTÜME Sophie Du Vinage
MUSIK Matthias Grübel 

Mittwoch, 17. Oktober 2012

Händel Festspiele 2013

Heute wurde das Programm der Händel Festpiele 2013 veröffentlicht und ein wenig enttäuscht darf man sein. Im Vergleich zu 2012 fehlen die großen Höhepunkte und man frägt sich, wieso Lawrence Zazzo sein Konzert nicht nächstes Jahr hätte geben können; Bei den Händel Festspielen 2012 konkurrierte er mit dem spektakulären Konzert mit 4 Countertenören und hatte dadurch deutlich weniger Zuschauer als diese. Nächstes Jahr steht nichts Vergleichbares auf dem Programm und der Zuschauerrekord wird damit nicht in Gefahr gebracht.

Dazu kommt, daß am 25.02.2013 zeitgleich das 4. Symphoniekonzert mit dem Dirigenten Bruno Weil und das Oratorium Esther mit der großartigen Kirsten Blaise und Dirigent Michael Hofstetter aufgeführt werden. Als Konzertabonnent hat man also die Qual der (Verzichts-)Wahl. Außerdem wird parallel auch noch der Jazzabend der Internationalen Händel-Akademie mit Claude Diallo am Klavier stattfinden. Eine sehr ungeschickte Termin-Festsetzung dreier Konzerte.

Ebenso vermisst man beispielsweise ein Gastspiel einer Barockoper, wie es in der Vergangenheit verschiedene Beispiele gab.

Hier der Link zum Programm als pdf
-Datei auf der Internetseite des Badischen Staatstheaters.

Samstag, 13. Oktober 2012

Stuttgarter Ballett: John Cranko - Onegin, 12.10.2012

Am 17.11.2012 erfolgt am Badischen Staatstheater die Wiederaufnahme des Balletts Giselle. Die Choreographie von Peter Wright erlebte ihre Uraufführung 1965 - einem großen Jahr  für das Stuttgarter Ballett, denn auch Onegin, choreographiert und inszeniert von John Cranko, erlebte in diesem Jahr an gleicher Stelle seine Premiere. Giselle und Onegin sind beide inzwischen Klassiker des Handlungsballetts. Fünf Wochen vor der Wiederaufnahmenpremiere von Giselle am Badischen Staatstheater gab es gestern die Rückkehr von Onegin am Württenbergischen Staatstheater. Das Stuttgarter und Karlsruher Ballett ergänzen sich mit diesen Wiederaufnahmen also auf sinnvolle Weise - Grund genug für einen Blick über die badische Landesgrenze und einen Besuch bei unseren Nachbarn im Osten.

Die Karlsruher Ballettdirektorin Birgit Keil tanzte in Stuttgart in beiden Balletten die Hauptrollen: als Königin der Willis und Giselle im Jahr 1966; als Olga in Onegin 1970 und in der Hauptrolle als Tatjana 1974 (zuerst mit Jan Stripling in der Titelrolle als Onegin, später auch mit Vladimir Klos). Beiden -Onegin und Giselle- merkt man ihre enstehungsgeschichtliche Zeitgenossenschaft an: Ambiente, Ausdruck, Ausstattung, Kostüme, Stil - eine gewisse Verwandschaft lässt sich trotz unterschiedlicher Choreographen und Themen nicht verleugnen. Beide haben auch durchaus Schwächen, die man aber erst heute bemerkt: es gibt angestaubte und  gelegentlich auch etwas altmodisch wirkende Momente bei den folkloristisch gehaltenen Gruppen- und Festszenen. Dennoch funktionieren beide Choreographien weiterhin, denn sie erzählen ihre Geschichte klar, deutlich und geradlinig, mit viel emotionaler Teilnahme und Spannung für das Publikum.

Das von John Cranko nach Alexander Puschkins Versroman in drei Akten konzipierte Ballett ist durch seine anspruchsvollen, leidenschaftlichen und dramatischen Pas de deux berühmt. Dazu kommen viele sehr gute Bühneneinfälle: z.B. die Briefszene Tatjanas, die hier als Traumszenenfolge gelöst ist, das durch Schattenspiel dargestellte Duell zwischen Lenski und Onegin oder der unter umgekehrten Vorzeichen stattfindende abschließende Pas de deux zwischen Onegin und Tatjana. Das Stuttgarter Ballett glänzte gestern durch seine großartigen Solisten und durch die dichte Homogenität der Tänzer.

Die Musik zu Onegin stammt nicht aus der gleichnamiger Oper, sondern aus eher unbekannten Werken und Klavierkompositionen Tschaikowskys, die von Kurt-Heinz Stolze für Orchester arrangiert wurden. Das Staatsorchester Stuttgart unter James Tuggle spielte mit sattem Wohlklang.

Fazit: Das Stuttgarter Ballett ist immer eine Reise wert und speziell Onegin weckt die Vorfreude auf Giselle am Badischen Staatstheater.

PS: Liebes Badisches Staatstheater, jahrzehntelang gab es in Karlsruhe eine monatliche Theaterzeitschrift, mit der man als Zuschauer und Interessent gut informiert war. Seit letztem Jahr wurde diese leider durch eine informationsarme und wenig interessante Publikation ersetzt, die sogar nur alle drei Monate erscheint. Ein trauriger Einschnitt. Vergleicht man aber die ebenfalls nur im Dreimonatsrhythmus erscheinende Stuttgarter Theaterzeitung, hat man guten Grund von der Publikation des Badischen Staatstheaters enttäuscht zu sein: ungleich mehr an gut verpackter Information und spannender Berichte ist dort zu finden. Nehmt euch doch mal daran ein Beispiel und erhöht wieder die Publikationsfrequenz.

Montag, 8. Oktober 2012

Wagner - Tannhäuser, 07.10.2012

Nach dem inszenatorisch stark kritisierten Lohengrin war eine große (An-)Spannung vor dem neuen Tannhäuser bei Publikum und Theatermitarbeitern am Premierensonntag im ausverkauften Großen Haus spürbar. Tannhäuser wurde gestern ein großer Erfolg für das Badische Staatstheater: alle Beteiligten wurden vom Publikum einhellig bejubelt.

Donnerstag, 4. Oktober 2012

Richter - My Secret Garden, 03.10.2012

Das Erlebnis des gestrigen Abends war nicht My Secret Garden, sondern Timo Tank. Der Schauspieler gestaltete und dominierte auf großartige Weise einen Text, dem man nur ein beschränktes Haltbarkeitsdatum attestieren kann und der nur durch die faszinierende Schauspielkunst Tanks lebendig wurde.

Worum gehts es?
Nach dem Musical Alice startete gestern nun auch das Schauspiel auf der Studio-Bühne in die neue Saison. Ausgesucht hatte man sich eine deutschsprachige Erstaufführung: My Secret Garden des deutschen Bühnenautors Falk Richter (Jahrgang 1969) hatte seine Uraufführung in französischer Sprache beim Festival d’Avignon 2010. Laut Staatstheater ist der Text eine Reise in eine bundesrepublikanische Biografie: "Ein Mann um die vierzig, ein Schriftsteller, nachts in einem Hotelzimmer: Während sein Vater im Krankenhaus mit dem Sterben ringt, lässt der Autor sein eigenes Leben Revue passieren." Dieser Mann um die vierzig scheint der Autor selber zu sein; er spricht sich selber mit dem Vornamen Falk an. My Secret Garden besteht aus Reflexionen und Erinnerungen - den Innenansichten eines Autors.

Autofiktion?
Richter bezeichnet My Secret Garden als Autofiktion, eine Mischung aus Autobiographie mit erfundenen Bestandteilen oder eine Erfindung mit autobiographischem Anteil. Eine Mischung mit vorläufig unklarem Verhältnis. Die Autofiktion erscheint als eine Zweckform. Die autobiographische Selbstthematisierung ist immer auch eine Selbstuntersuchung: eine Therapieform, bei der man sich selber kennenlernt, sich eigene Unzulänglichkeiten von der Seele schreibt und gleichzeitig in die Zukunft blickt und den großen Bogen über ein Leben spannt. Verschleiert wird sie hier durch fiktive Elemente. Auf der Bühne wird für die erzählende Figur ein desaströses Lebengefühl diagnostiziert: ohne richtige soziale Kontakte, einsam, um Anerkennung als Autor ringend und voller Sinnlosigkeitsgefühle. Eine Entwicklungsgeschichte ohne geglückte Emanzipation. Die Schwäche des Textes besteht darin, daß er nicht konsequent zu Ende geschrieben ist. Etwas Unaufrichtiges, nicht Zuendeoffenbartes, Erfundenes lässt die schonungslose Offenheit vermissen, die nötig gewesen wäre, um My Secret Garden also große Innenanalyse gelten zu lassen. In Karlsruhe ist die Wirkung  des Textes keine stoffliche, sondern wird durch die Form des Erzählens erzielt: die Geschichte interessiert aufgrund der schauspielerischen Darstellung. 

Was wird gezeigt?

My Secret Garden ist zweigeteilt und beginnt als Monolog. In den ersten 50 Minuten blickt der von Timo Tank gespielte Erzähler zurück auf seine Kindheit und Jugend. Als Wunschbild stilisiert sich Tank in der ersten Szene: cool, selbstbewußt und lässig tanzt er auf der Bühne, doch die Fassade bröckelt schnell. Das beengende, spießige Milieu der Eltern in der norddeutschen Provinz, das von Lieblosigkeit und Enge gekennzeichnet war, ließ kein selbstbewußtes Ich entstehen, sondern eines, das von vitalen Unfähigkeiten und stumpfen Verstimmungen geprägt ist.  Die Vergangenheitsinstrumenalisierung wird aber auch zur Relativierung eigener Defizite genutzt. Im zweiten Teil, der den Autor und Künstler in den Mittelpunkt stellt und durch Dauerzweifel am eigenen Handeln und Bitterkeit gekennzeichnet ist, ergänzen zwei weitere Schauspieler das Ich des Erzählers. Dieser Abschnitt kann die Dichte des Beginns nicht halten und ist etwas schwächer. Die drei Schauspieler -Simon Bauer, Benjamin Berger, Timo Tank- tragen eng anliegende silbern-glänzende Kostüme, die an Ballett-Tänzer erinnern.  Kostüme, die nichts verbergen, aber auch das Inauthentische des Autofiktion-Konzepts zeigen.

Fazit: Als Schauspiel-Fan darf man Timo Tank nicht verpassen! In seinem Monolog gibt es keinen langweiligen Moment, jeder Satz lebt und atmet. Sein grandioser Auftritt bietet die kurzweiligsten und spannendsten 50 Minten seit langem. Insgesamt 90 schauspielerisch lohnenswerte Minuten.

Schauspieler: Timo Tank, Simon Bauer, Benjamin Berger
Regie: Pedro Martins Beja
Bühne und Kostüme: Christine von Bernstein
Musik: Jörg Follert

Freitag, 28. September 2012

Tom Waits - Alice, 27.09.2012

Die erste Premiere der neuen Saison gehörte dem Schauspiel-Musical, der inoffiziellen Sparte, die in den letzten Jahren mit Werken wie Dylan, Big Money und Cabaret sehr großen Zuschauerzuspruch erlebte und sich immer mehr ins Zentrum der Publikumsaufmerksamkeit bewegt. Nach The Black Rider (1996) und Woyzeck (2009) ist Alice die dritte Tom Waits / Robert Wilson Produktion des Badischen Staatstheaters und hinterließ gestern einen schwächeren Eindruck als seine beiden Vorgänger.

Worum geht es?
Um Lewis Carrolls (1832-1898) Kinderbuchklassiker Alice im Wunderland. Diese Buch hat eine Beigeschichte: Alice hatte eine reale Inspiration - Alice Liddell (1852-1934). Carroll erzählte dem Mädchen und ihren Schwestern oft phantastische Geschichten. Eines Tages bat die zehnjährige Alice, Carroll möge doch seine Erzählungen aufschreiben. Das Ur-Manuskript bekam Alice geschenkt, das daraus entstandene Kinderbuch wurde zum Klassiker. Doch es gibt auch eine scheinbar dunkle Seite: Carroll fotografierte Alice vielfach und in verschiedenen Kostümen. Daraus wurde in nach-Freud'schen Zeiten eine Besessenheit für das kleine Mädchen abgeleitet und über Carrolls Charakter und Absichten spekuliert. Carroll war einer der ersten Amateur-Fotografen. Seine Bilder von Alice entstanden um 1860 und seine Leidenschaft könnte eher dem neuen technischen Medium als unterdrückten Wünschen und Obsessionen geschuldet sein. Hier ist also ein weites Feld der groben Spekulation, in dem sich auch dieses Stück peripher bewegt. Alice präsentiert in freier, nicht chronologischer Reihenfolge Buch-Szenen und Ausschnitte und kombiniert sie mit der Welt des Autors und seiner Muse. Dabei entstand eine im Vergleich zu The Black Rider und Woyzeck sehr handlungsschwache Geschichte ohne große Spannungsbögen.

Was ist zu hören?
Waits hatte im zeitgleich entstandenen Woyzeck einen herben und grölenden Tonfall eingeschlagen, Alice besteht hingegen hauptsächlich aus Balladen unterschiedlichster Stimmung. „Kinderlieder für Erwachsene und umgekehrt“, so Waits über seine Songs. Eine eher traurige und ruhige Musik mit starken Kontrasten über Außenseiter und Seltsamkeiten. Clemens Rynkowski hat die Songs für Karlsruhe wunderbar neu  arrangiert: eine sechsköpfige Band spielt insgesamt zweiundzwanzig Instrumente. Musikalisch ist Alice atmosphärisch passend umgesetzt. Wem Woyzeck und Black Rider gefiel, der sollte auch von Alice nicht enttäuscht sein.
Leider ist die Textwiedergabe der englischen Songs urheberrechtlich untersagt: sie sind weder im Beiheft zu finden noch als übersetzte Übertitel eingeblendet. Nicht jeder Schauspieler ist auch ein guter Sänger - in dieser Produktion wird das leider gelegentlich deutlich und auch die Verständlichkeit der englischen Song-Texte ist nicht für jeden gegeben. Dadurch entsteht im Verlauf des Abends schnell ein atmosphärischer Druckabfall und Dimensionsverlust, da die direkte Verbindung der Musiktexte zur Geschichte nicht sichergestellt wird. Man bewegt sich episodisch von Song zu Song, bei denen man oft nur spekulieren kann, wie sie zum Stück in Beziehung stehen.

Was ist zu sehen?

Alice ist eine sehr schöne und phantasievolle Produktion, bei der aber aus obigen Gründen die Verknüpfung von Text und Gesang nicht gelingt und aufgrund der zusammenhanglosen Szenen der Funken nur sehr selten aufs Publikum überspringt. Es ergibt sich keine klare Stimmung: Alice ist weder spannend oder dämonisch noch witzig oder traurig; die Szenen plätschern  vor sich hin und verdichten sich nur selten. Schauspielerisch ergeben sich bei Regisseur Daniel Pfluger nur wenig Gelegenheiten zu glänzen. Es ist eine gute Ensembleleistung, bei der gestern Hannes Fischer und Robert Besta am stärksten in Erinnerung blieben.
Bühnenbildner Flurin Borg Madsen stand vor der Aufgabe, den Spagat zwischen Obsessionen und Spiel, Traurigkeit und Phantasie, Erinnerung und Gegenwart zu halten, also den doppelten Boden der surrealen Welt darzustellen und hat dies mit einer sich stetig, von Szene zu Szene ändernder Bühne sehr phantasievoll gelöst. Es macht immer wieder Spaß zuzuschauen. Janine Werthmann hat dazu sehr schöne und aufwändige Kostüme entworfen, die viktorianische Elemente mit anderen Stilrichtungen kombiniert und die Phantasiefiguren liebevoll in Szene setzt.

Fazit:
Bedingt empfehlenswert - gepflegte Langeweile, der man aber gerne zuschaut. Alice zeigt, daß das Ganze weniger als die Summe seiner Teile sein kann. Man hat deutlich den Eindruck, daß vieles gut gemacht ist. Das Badische Staatstheater hat sich viel Mühe gegeben, um eine aufwändige, sehenswerte Umsetzung auf die Bühne zu bringen. Alice ist vor allem Unterhaltung und bietet keine tiefgehende Interpretationsmöglichkeit. Es ist ein Spiel der Phantasie, Skurrilität und Ambivalenz - eine inszenatorische Äquivalenz zum literarischen Fantasy-Genre - konzipiert als ein Theaterabenteuer. Doch durch die dünne Rahmenhandlung ergibt sich kein richtiger Spannungsbogen. 

PS(1):
Das von Dramaturgin Nina Steinhilber informationsreich, interessant und sehr gut zusammengestellte Programmheft lohnt sich, auch zur Orientierung vorab für die Besucher, die mit Lewis Carroll und seinem Kinderbuch Alice wenig Berührung hatten. Es ist als pdf-Datei im Internet hier abrufbar.

PS(2): Es waren viele Theatermitarbeiter und deren Angehörige bei der Premiere. Es wäre interessant zu wissen, wie das Verhältnis dieser zu normalen Zuschauern war. Neben einem Heer von Dramaturgen mit Namensschildern konnte man u.a. folgende Schauspieler und Opernsängern sehen: Ute Baggeröhr, Simon Bauer, Benjamin Berger, Cornelia Gröschel, Florian Hertweck, Sarah A. Hudarew, Sophia Löffler, Heidi Melton, Rebecca Raffell, Jonas Riemer, Lisa Schlegel, Timo Tank, Katharine Tier, G. Urrutia Benet, Stefan Viering, Frank Wiegard, ....

BESETZUNG und TEAM:
Alice: Ursula Grossenbacher
Charles Dodgson/ Photograph/ Weißes Kaninchen/ Weißer Ritter: Robert Besta
Rose/ Cheshire Cat/ Humpty Dumpty: Hannes Fischer
Raupe/ Schachkönigin:  Eva Derleder
Fisch/ Lakai/ Schachkönig/ Weißes Schaf: Gunnar Schmidt
Lilie/ Hutmacher/ Tweedle Dee: Joanna Kitzl
Gänseblümchen/ Köchin/ Märzhase/ Tweedle Dum: Jan Andreesen
Frosch/ Ein Lakai/ Rehkitz/ Schwarzer Ritter: Natanaël Lienhard
Gänseblümchen/ Herzogin/ Haselmaus: Anna-Magdalena Beetz
Altar Boy (Solo): Georg Krause
Altar Boys: László Branko Breiding, Lukas Fries, Leon Hellstern, Marvin Hock

REGIE Daniel Pfluger
MUSIKALISCHE LEITUNG & ARRANGEMENTS Clemens Rynkowski
BÜHNE Flurin Borg Madsen
KOSTÜME Janine Werthmann

Klavier, Harmonium, Celesta, Theremin:  Clemens Rynkowski
Percussion, Drumset, Schlagwerk:  Jakob Dinkelacker
Waldhorn, Trompete, Marimba, Vibra-Phon, Bass, Gitarre, Klavier, Saz, Windmaschine: Florian Rynkowski
Posaune, Sousaphon, Tuba: Jochen Welsch
Bassklarinette, Saxophon, Piccolo, Querflöte: Sven Pudil
Bratsche: Agata Zieba

Dienstag, 18. September 2012

1. Symphoniekonzert, 17.09.2012

Die neue Konzertsaison begann mit Frühwerken dreier Komponisten, die auf ganz unterschiedliche Weise Auskunft geben über das Werden eines Komponisten.

Benjamin Britten
(1913-1976) schrieb keine Symphonien. Die Sinfonia da Requiem (op.20, im Jahr 1940 im Alter von 26 Jahren komponiert) ist allerdings ein orchestral-symphonisches Werk; es ist ca zwanzigminütig, dreiteilig und ohne liturgischen Text. Mit Trommelschlägen beginnt das Lacrymosa (Andante ben misurato), dessen Gestus klagend und protestierend ist. Das Dies Irae (Allegro con fuoco) ist bedrohlich, das abschließende Requiem Aeternam (Andante molto tranquillo) dann friedvoll und im Ansatz versöhnlich. Ein sehr interessantes Stück und eine sehr spannende Entdeckung, die Justin Brown ins Programm genommen hat und so engagiert präsentierte, daß man danach bedauerte, daß sich Britten nicht weiter als Symphoniker entwickelte.

Der Komponist Thomas Adès, der 1971 in London geboren ist, gilt als der wichtigste zeitgenössische britische Komponist seit Benjamin Britten. Schon früh wurden seine ersten Werke aufgeführt und bei EMI auf CD veröffentlicht. Dirigenten wie Simon Rattle und Kent Nagano förderten ihn. Seine Musikstil ist -z.B. im Vergleich mit Wolfgang Rihm- geradezu konventionell und eingänglich. Gestern nun wurde er auch zum ersten Mal in Karlsruhe gespielt. Das kurze, ca. zehnminütige Werk … but all shall be well (op.10 aus dem Jahr 1993) zeigt sein großes Gespür für Instrumentierung und klangliche Wirkung, ist aber nicht unverwechselbar und hinterließ keinen besonderen Eindruck. Es diente lediglich der Entspannung zwischen Britten und Brahms.

Nach der Pause dann der mit Ungeduld erwartete Höhepunkt des Abend - das 1. Klavierkonzert op.15 von Johannes Brahms (1833-1897). Die Uraufführung 1859 in Hannover war ein Fiasko und auch heute hat es gelegentlich aufgrund der anti-virtuosen Klavierbehandlung den Ruf, ein Konzert für Orchester mit obligatem Klavier zu sein, bei dem es keinen technisch herausfordernden Satz für den Solisten gibt. Das Konzert fordert dem Pianisten trotzdem immens viel ab: die Transparenz der polyphonischen Sätze ist die schwierigste Aufgabe. Als Pianist war ein großer Name zu hören: Boris Berezovsky. Er gewann 1990 den 1. Preis beim renommierten Tschaikowsky-Wettbewerb in Moskau. Im Juni 1992 war er zum ersten Mal in Karlsruhe: damals gab er eine beeindruckende, starke Interpretation von Tschaikowskys 1. Klavierkonzert. Inzwischen hat er eine umfangreiche CD-Diskographie eingespielt und weitere Preise gewonnen. Sein Auftritt wurde seinem großen Ruf gerecht.
Der erste Satz ist gekennzeichnet durch Themenfülle, zusammenprallende Themen, eine ungestüme Radikalität und soll unter dem schockierenden Eindruck eines Selbstmordversuchs von Robert Schumann entstanden sein. Justin Brown spielte den ruppigen und bedrohlichen Anfang mit finsterer Energie. Das Klavier begann mit einem freien und atmenden Gestus, der fast schon improvisiert wirkte, doch unmerklich leitete Berezovsky zur dramatischen Zuspitzung über, die dann wieder von einem freundlichen Seitenthema kontrastiert wird. Sehr schön, wie souverän Berezovsky immer wieder die exponierten Stellen spielte, an denen ihm Neues abgefordert wird.
Das war auch sein Erfolgsgeheimnis bei der gestrigen Aufführung: der Pianist fand den organischen Weg durch die kantige und von sprunghaften Wechseln geprägte Partitur und präsentiere Brahms mit voluminösem und leidenschaftlichem Klang. Das mittlere Adagio (fast ein Requiem-ähnlicher Anklang nach Schumanns Tod und damit auch die Verknüpfung zu Brittens Requiem am Beginn des Abends) nahm bei ihm einen versonnenen Charakter an, das abschließende Rondo endete leidenschaftlich klang- und schwungvoll. Eine herausragende Leistung, die lange bejubelt wurde und auch das Orchester beklatschte Berezovsky stark. Als Zugabe wurde das Ende des Konzerts wiederholt.

Justin Brown und die Badische Staatskapelle zeigten einen sehr guten Start in die Saison.


PS(1): Die Stimmung zwischen Orchester, Berezovsky und Brown wirkte so herzlich, daß es diesmal hoffentlich nicht so lange dauern sollte, bis Berezovsky erneut nach Karlsruhe kommt. Rachmaninows 2. oder 3  bzw. Prokofiews 2. oder 3. Klavierkonzert wären doch geeignete Kandidaten für eine Fortsetzung!?! Ein anderes großes Frühwerk Benjamin Brittens war auch lange nicht mehr in Karlsruhe zu hören: sein Klavierkonzert op.13.

PS(2): Etwas Geschichtliches - Brahms selber war der Pianist seines ersten Konzerts bei der ersten Aufführung der Badischen Hofkapelle unter Hermann Levi am 3. November 1865. Brahms' 1. Symphonie erlebte dann bekanntermaßen seine Uraufführung in Karlsruhe am 4. November 1876, dirigiert von Felix Otto Dessoff.

Sonntag, 16. September 2012

Theaterfest, 15.09.2012

Zum Saisonbeginn wurde das abwechslungsreiche Programm des Theaterfests wie gewohnt durch den Spielzeitcocktail beendet. Letztes Jahr gab es zum Intendanzstart Ansprachen und Reden, dieses Jahr konzentrierte sich die 215-minütige Veranstaltung ganz auf das Spartenprogramm.

Mittwoch, 12. September 2012

Karlsruher 'Samson et Dalila' auf DVD

José Curas Inszenierung von Camille Saint-Saens Oper Samson et Dalia am Badischen Staatstheater (aufgenommen am 22./24.10.2010 mit José Cura als Samson und Julia Gertseva als Dalila) ist auf DVD erhältlich.

Hier z.B. der Link zu amazon:
http://www.amazon.de/Saint-Saens-Samson-Dalila-Julia-Gertsewa/dp/B008P76XQU/ref=sr_1_4?s=dvd&ie=UTF8&qid=1347443446&sr=1-4

Dienstag, 11. September 2012

Händels Alessandro auf CD

Händels Oper Alessandro wurde während der Händel Festspiele 2012 aufgenommen und liegt nun als CD vor.

Hier z.B. der Link zum Erwerb bei amazon, allerdings wird die CD bestimmt vom Badischen Staatstheater auch bald vertrieben - und hoffentlich günstiger ...:
http://www.amazon.de/Alessandro-Dramma-musica-drei-Akten/dp/B008IEDWHI/ref=sr_1_3?ie=UTF8&qid=1347370328&sr=8-3

PS: Zur Alessandro Diskographie
Bisher gab es nur die wenig elektrisierende Aufnahme von Sigiswald Kuijken mit René Jacobs als Alessandro. Fast parallel zum Karlsruher Alessandro erscheint nun auch eine dritte Aufnahme, bei der Max E. Cencic in der Titelrolle zu hören sein wird (auch dazu der Link zu amazon: http://www.amazon.de/Alessandro-Lezhneva-Julia/dp/B008QCBFHG/ref=sr_1_1?s=music&ie=UTF8&qid=1347370750&sr=1-1)

Montag, 10. September 2012

Programm des Karlsruher Theaterfests, 15.09.2012


Eröffnung des Theaterfests und Begrüßung durch Kulturbürgermeister
Wolfram Jäger & Generalintendant Peter Spuhler
11.00 AUF DEM VORPLATZ

Samstag, 1. September 2012

Die kommende Spielzeit 2012/13 im Überblick

Am 15. September beginnt die neue Spielzeit des Badischen Staatstheaters mit dem traditionellen Theaterfest. Das Programm der neuen Saison ist vielversprechend. Hier eine Übersicht für 2012/13 in den Sparten Oper, Ballett, Schauspiel und Konzerte.


OPER

Die Premieren der neuen Spielzeit sind sehr gut gewählt: vieles, was man selten oder in Karlsruhe lange nicht mehr gehört hat, ergänzt von etablierten (und teilweise betagten) Wiederaufnahmen, in denen die jungen Sänger debütieren werden.
Höhepunkte gibt es einige: zu Beginn Wagners Tannhäuser, bei der ein Einfall der Bayreuther Festspiele von 1972 wiederholt wird. Der damalige Regisseur Götz Friedrich hatte die Rollen der Venus und Elisabeth mit der gleichen Sängerin besetzt. John Treleaven singt Tannhäuser, Heidi Melton und Christina Niessen wechseln sich in der Doppelrolle als Elisabeth/Venus ab.
Im Januar folgt die große französische Oper La Vestale des italienischen Komponisten Gaspare Spontini mit Barbara Dobrzanska in der Hauptrolle als Vestalin. La Vestale wurde einst mit großem Pomp vor Napoleon uraufgeführt und war ein großer Erfolg. Viele Komponisten -darunter auch Berlioz und Richard Wagner (der bei Spontini einige Inspirationen fand)- sahen sie als Meisterwerk. Eine Oper, deren Hauptrolle auch Maria Callas sang.
Die Händel Festspiele sind diesmal in Englisch: ein spätes Oratorium, ergänzt durch eine zeitgenössische Oper von Gerald Barry, inszeniert von einem englischen Team. Man darf gespannt sein.
Im April Donizettis Regimentstocher - eine komische Oper, die Sopran und Tenor sehr viel abverlangt und bei der sich Eleazar Rodriguez an die gefürchtete Arie mit neun zweigestrichenen C's traut. Nachdem in den letzten Jahren das Bel Canto Repertoire etwas vernachlässigt wurde, ist das hoffentlich der Einstieg in eine weitere Reihe.
Zum Abschluß Benjamin Brittens "englische Nationaloper" Peter Grimes, die für John Treleaven und Justin Brown zweifellos eine Herzensangelegenheit ist und die mit einigen englischen Muttersprachlern besetzt werden kann.
Bei der Wiederaufnahme der "alten" Carmen im November werden wohl Katharine Tier in der Titeltrolle und Andrea Shin als Don José singen.
Wagners Ring des Nibelungen wird als Gast Linda Watson als Brühnhilde bieten. Lance Ryan könnte in Siegfried zurückkehren. In der Götterdämmerung und als Siegmund wird wohl John Treleaven auftreten, Heidi Melton als Sieglinde und Gutrune, Renatus Meszar als Wotan.

TERMINE
07.10.12    TANNHÄUSER     Oper von Richard Wagner
Regie: Aron Stiehl, Bühne und Kostüme: rosalie

08.12.12    DER VETTER AUS DINGSDA     Operette von Eduard Künneke
R: Bernd Mottl  B: Friedrich Eggert

26.01.13    DIE VESTALIN     Oper von Gaspare Spontini
R: Aron Stiehl B: Frank Philipp Schlößmann K: Franziska Jacobsen

16.02.13    DER SIEG VON ZEIT UND WAHRHEIT     Oratorium von Georg Friedrich Händel
und DER SIEG VON SCHÖNHEIT UND TÄUSCHUNG     Oper von Gerald Barry
R: Sam Brown B & K: Annemarie Woods

 
20.04.13 DIE REGIMENTSTOCHTER     Oper von Gaetano Donizetti
R: Aurelia Eggers
 
18.05.13 DIE PASSAGIERIN     Oper von Mieczysław Weinberg (Deutsche Erstaufführung)
R: Holger Müller-Brandes B & K: Philipp Fürhofer
 
06.07.13 PETER GRIMES     Oper von Benjamin Britten
R: Christopher Alden

Wiederaufnahmen
23.09.2012    Ritter Blaubart / Offenbach
10.10.2012    Rigoletto / Verdi
14.10.2012    Romeo und Julia auf dem Dorfe / Delius
26.10.2012    Wallenberg / Tüür
03.11.2012    Carmen / Bizet
24.11.2012    Hänsel und Gretel / Humperdinck
25.12.2012    Die Zauberflöte / Mozart
13.01.2013    Die Trojaner / Berlioz
20.02.2013    Alessandro / Händel
09.03.2013    Tosca / Puccini
27.03.2013    Das Rheingold / Wagner
28.03.2013    Die Walküre / Wagner
30.03.2013    Siegfried / Wagner
01.04.2013    Götterdämmerung / Wagner
22.06.2013    Die Hochzeit des Figaro / Mozart  

Hier eine Übersicht der geplanten Operngalas als pdf und hier die Opern-Übersicht


BALLETT

Nach den beiden großartigen Uraufführungen des letzten Jahres erleben wir die Wiederaufnahme des Klassikers Giselle und eine deutsche Erstaufführung von Heinz Spörli.
Giselle, Nußknacker, Schwanensee, vor einigen Jahren z.B. die großartige Choreographie zu Prokofiews Romeo und Julia, zukünftig hoffentlich auch Siegfried und Momo - diese Ballette haben unter den Besuchern des Karlsruher Staatstheater den Status erreicht, den zuletzt die Operninszenierungen Giancarlo del Monacos in den 1980er inne hatten: man sieht sie gerne öfters, ja man kann sie über lange Zeit regelmäßig sehen und man wünscht sich eine lange Laufzeit. Noch heute sind del Monacos Inszenierungen von La Bohème, Madama Butterfly oder Lucia di Lammermoor unvergessene Meilensteine, die unter den Zuschauern fast schon einen Kultstatus erreicht haben. Birgit Keil scheint es auch zu schaffen: Klassiker zu präsentieren, die im schnelllebigen Inszenierungsgeschäft überleben.

TERMINE
GISELLE     Ballett von Peter Wright nach Marius Petipa, Jean Coralli; Jules Perrot
NEUEINSTUDIERUNG
17.11.12 GROSSES HAUS

IN DEN WINDEN IM NICHTS     Ballett von Heinz Spoerli (Deutsche Erstaufführung)
16.03.13 GROSSES HAUS

Wiederaufnahmen:
22.09.12 Momo
11.12.12 Nußknacker
01.02.13 Schwanensee
31.05.13 Siegfried

Hier der Link zum Ballettheft als pdf-Datei


SCHAUSPIEL

Eine neue Strategie präsentiert das Schauspiel im Kleinen Haus: bekannte und attraktive Werke großer Autoren, auf die man sich als Theaterfreund freuen kann: Tschechows Möwe, Büchners Dantons Tod, Schnitzlers Einsamer Weg, Shakespeares Wie es Euch gefällt und Kleists Prinz Friedrich von Homburg. Hoffentlich und endlich die Chance für die Schauspieler, den Facettenreichtum ihres Könnens zeigen zu dürfen. Hoffentlich dazu Inszenierungen, die sich vom uninteressanten Durchschnitt der letzten Spielzeit absetzen. Im Studio viel Neues, Unbekanntes und Adaptionen - also weiterhin eher Experimentelles mit durchschnittlichem Attraktivitätsfaktor. Hier muß die Schauspielleitung beweisen, daß sie die Stücke mit Bedacht ausgewählt hat. Auch weiterhin scheint man sich mit Humor schwer zu tun - Shakespeare liefert anscheinend die einzige Komödie. Man kann hoffen, daß im zweiten Jahr endlich eine Erfolgsproduktion glückt, über die man spricht und die in Karlsruhe das Schauspiel auch wieder zum positiven Gesprächsthema außerhalb des geschrumpften Stamm-Publikums macht.
Als Musical dazu mal wieder Tom Waits, diesmal mit Alice.

TERMINE
ALICE     Musical von Waits | Brennan | Wilson | Schmidt
27.09.12 KLEINES HAUS
R: Daniel Pfluger
  
MY SECRET GARDEN     von Falk Richter (Deutsche Erstaufführung)
03.10.12 STUDIO
R: Pedro Martins Beja B & K: Christine Beggel M:Jörg Foller
 
DIE MÖWE     Komödie von Anton Tschechow
20.10.12 KLEINES HAUS
R: Jan-Christoph Gockel B: Julia Kurzweg K: Sophie Du Vinage M: Matthias Grübel
 
DANTONS TOD     Drama von Georg Büchner
22.11.12 KLEINES HAUS
R: Simone Blattner

AGNES   nach dem Roman von Peter Stamm (Deutsche Erstaufführung)
24.11.12 STUDIO
R: Christian Papke
 
DER EINSAME WEG     Schauspiel von Arthur Schnitzler
19.01.13 KLEINES HAUS
R: Dominique Schnizer
 
MEDEA     Trauerspiel von Franz Grillparzer
24.01.13 STUDIO
R: Mareike Mikat
 
MÜDIGKEITSGESELLSCHAFT     von Byung-Chul Han
VERSUCH ÜBER DIE MÜDIGKEIT     von Peter Handke
URAUFFÜHRUNG
FEBRUAR 13 STUDIO
R: Stefan Otteni
 
DIE LEIDEN DES JUNGEN WERTHER     nach dem Roman von Johann Wolfgang Goethe
10.03.13 STUDIO
R: Gernot Grünewald
 
WIE ES EUCH GEFÄLLT     Komödie von William Shakespeare
21.03.13 KLEINES HAUS
R: Sebastian Schug
 
MÄNNERPHANTASIEN    von Patrick Wengenroth nach Klaus Theweleit
URAUFFÜHRUNG
24.4.13 STUDIO
R: Patrick Wengenroth

AM FALSCHEN ORT     von Alice Monica Marinescu und David Schwartz
URAUFFÜHRUNG / GEWINNER DES DRAMENWETTBEWERBS „ÜBER GRENZEN SPRECHEN“ 2012
FRÜHLING 13 STUDIO

 PRINZ FRIEDRICH VON HOMBURG     Ein Schauspiel von Heinrich von Kleist
16.05.13 KLEINES HAUS
Regie: Martin Nimz
 
VETERANEN DES RASENS     Ein KSC-Projekt von Tobias Rausch
16.06.13 STUDIO

EINE (MIKRO)ÖKONOMISCHE WELTGESCHICHTE, GETANZT     von Pascal Rambert und Éric Méchoulan
27.06.13 KLEINES HAUS  

EXAMEN     Dramatiker-Projekt / URAUFFÜHRUNGEN im STUDIO

Das Progranm als pdf-Datei des Staatstheater befindet sich hier.


SYMPHONIEKONZERTE

Die Höhepunkte der Konzertsaison sind einerseits die mit namhaften Virtuosen besetzten Termine (der Pianist Boris Berezovsky im ersten und der Violinist Gideon Kremer im achten Konzert. Dazu der junge und bereits gefeierte Cellist Maximilian Hornung sowie der Pianist Benjamin Moser, der 2007 Preisträger des renommierten Tschaikowsky-Wettbewerbs in Moskau war). Dann vor allem das zweite Konzert mit einer sehr publikumswirksamen Stückauswahl (Beethoven, Strauss, Wagner, Weber), aber auch fast durchgängig bietet jedes Konzert ein attraktives "Lieblingsstück": Tschaikowskys 6. / Brahms. 4. / Haydns 104. / Bruckners 9. Symphonie, Mozarts Klarinettenkonzert. Dazu Schönbergs groß besetzte Gurrelieder im Dezember als Sonder- und Abschlußkonzert zu den Feierlichkeiten des 350. Orchestergeburtstags.
Bei der Auswahl fällt auf, daß es ein Wiederhören mit Stücken gibt, die es bereits in den letzten Jahren unter Anthony Bramall gab: Mozart (2003), Bruckner (2004), Haydn (2005), Beethoven (2005), Brahms (2007) und Tschaikowsky (2007). Nicht, daß man "schon wieder" sagen möchte. Allerdings hätte es andere Werke gegeben, die länger nicht mehr zu hören waren ....

TERMINE
1.Symphoniekonzert
BRITTEN Sinfonia da Requiem
ADÈS ...but all shall be well
BRAHMS 1. Klavierkonzert (Solist Boris Berezovsky)
16./17.9.12

2.Symphoniekonzert
VON WEBER Oberon Ouvertüre
BEETHOVEN 5. Symphonie
WAGNER Karfreitagszauber
R.STRAUSS Tod und Verklärung
21./22.10.12

3.Symphoniekonzert
BARTOK Rhapsodie für Klavier und Orchester (Solist Benjamin Moser)
TSCHAIKOWSKY 6. Symphonie
25./26.11.12

4.Symphoniekonzert
HÄNDEL Concerto Grosso op6 Nr4
DORMAN Concerto Grosso
TELEMANN Ouvertüre-Suite "La Bourse"
HAYDN 104. Symphonie
24./25.02.13

5.Symphoniekonzert
GREENWOOD 48 Respones to Polymorphia
LUTOSLAWSKI Cellokonzert (Solist Maximilian Hornung)
BRAHMS 4. Symphonie
28./29.04.13

6.Symphoniekonzert
STAUD Tondo
MOZART Klarinettenkonzert (Solist Frank Nebl)
MARTINU 4. Symphonie
26./27.05.13

7.Symphoniekonzert
BRIDGE The Sea
BRITTEN Les Illuminations
MASON  Lighthouses
DEBUSSY La Mer
16./17.06.13

8.Symphoniekonzert
SCHNITTKE 4. Violinkonzert (Solist Gideon Kremer)
BRUCKNER 9. Symphonie
14./15.07.13

Sonderkonzert
SCHÖNBERG Gurrelieder
15./16.12.12


Bei den Kammerkonzerten gibt es ebenfalls Höhepunkte: so singt Bernhard Berchtold im fünften Konzert und es gibt Mozart, Beethoven, Brahms, Strauss und Janacek zu hören. Justin Brown musiziert diese Saison nicht selber.

1.Kammerkonzert, 30.09.12
Johann Melchior Molter    Sinfonia in D für 2 Flöten, 2 Hörner und Fagott (Verz. Nr. 596)
Johann Melchior Molter    Sinfonia in D für 2 Flöten, 2 Hörner und Fagott (Verz. Nr. 597)
Josef Mysliveček    Oktett Nr. 3 B-Dur
Beethoven   Oktett Es-Dur op. 103
Beethoven    Rondino Es-Dur op. posth.

2.Kammerkonzert, 11.11.12
Franz Danzi   Fagottquartett d-Moll op. 40 Nr. 2
Mozart    Flötenquartett Nr. 1 D-Dur KV 285
Jean Françaix    Quintett für Flöte, 2 Violinen, Violoncello und Cembalo
Henri Dutilleux    Streichquartett „Ainsi la nuit”

3.Kammerkonzert, 03.03.13
Anton Webern    Fünf Sätze für Streichquartett op. 5
Leoš Janáček    Streichquartett Nr. 2 „Intime Briefe“
Franz Schubert   Streichquartett a-Moll D 804 „Rosamunde“

4.Kammerkonzert, 07.04.13
Beethoven    Sonate G-Dur für Violine und Klavier op. 96
Moritz Eggert    Klaviertrio Nr. 2
Joseph Wölfl    Grand Duo für Violine und Klavier op. 31
Claude Debussy    Klaviertrio G-Dur

5.Kammerkonzert, 30.6.13
Beethoven    4 schottische Lieder aus op. 108
Margarete Schweikert   4 Lieder nach Gedichten von Goethe
Margarete Schweikert    „Im bitteren Menschenland" op. 9
Benjamin Britten    6 Hölderlin-Fragmente op. 61 für Tenor und Klavier
Leonard Bernstein    Trio für Violine, Violoncello und Klavier
Sänger: Bernhard Berchtold, Tenor

Kammerkonzert EXTRA, 27.1.13
Richard Strauss    Sonatine Nr. 1 F-Dur für 16 Blasinstrumente
Richard Strauss    Serenade Es-Dur für 13 Blasinstrumente
Johannes Brahms    Serenade für kleines Orchester Nr. 2 A-Dur

Das Sonderheft zu den Konzerten findet  sich hier.

Das komplette Programm und Infos zu den anderen Sparten und Programmpunkten des Badischen Staatstheater für 2012/2013 findet sich im Spielzeitheft, daß als pdf-Dokument auch im Internet abzurufen ist. Hier ist der Link.